FTD.de » Politik » Deutschland » Einen Versuch wert
Merken   Drucken   06.12.2012, 11:30 Schriftgröße: AAA

NPD-Verbot: Einen Versuch wert

Das Risiko ist groß, ein Scheitern wäre eine Blamage. Doch dieses Mal sind die Chancen, dass die NPD vom Bundesverfassungsgericht verboten wird, besser als vor neun Jahren.
© Bild: 2012 Reuters/TOBIAS SCHWARZ
Leitartikel Das Risiko ist groß, ein Scheitern wäre eine Blamage. Doch dieses Mal sind die Chancen, dass die NPD vom Bundesverfassungsgericht verboten wird, besser als vor neun Jahren.

Die NPD ist politisch geächtet in Deutschland. Ihre Funktionäre erhalten im Normalfall keine Einladung, ihre kruden Ansichten in TV-Talkshows abzusondern, die meisten Menschen schlagen einen großen Bogen um die Rechtsradikalen. Dieser Konsens ist viel wert, zumal auch jeder weiß: Eine politische Ächtung muss nicht nur die NPD betreffen, sondern jegliche Form von Alltagsrassismus und NS-Ideologie. Ein Parteiverbotsverfahren kann da nur ein Stück sein im präventiven Maßnahmenmosaik.

Ein wichtiges Stück: Die neonazistischen Kameradschaftsszenen sind zuletzt eher stärker geworden, viele beziehen sich ideell auf die NPD, von verdeckten organisatorischen Verbindungen zwischen Partei und freien Kameradschaften kann man getrost ausgehen. Ihre Mitglieder und die Parteifunktionäre ätzen gegen Pluralismus und Meinungsvielfalt, sie wollen diesen Staat abschaffen. Die NPD darf da nicht noch mit Steuergeld im Wahlkampf unterstützt werden.

Der Vorstoß der Bundesländer zu einem neuen Verbotsverfahren ist deshalb einen Versuch wert. Dieses Mal sind die Erfolgschancen vor Gericht auch besser: Vor neun Jahren scheiterte der erste Anlauf vor dem Bundesverfassungsgericht, weil die Informationen zum Teil von V-Leuten stammten. Das soll mittlerweile ja anders sein.

Natürlich, es gibt einige - nicht geringe - Risiken: So müssen die Kläger nachweisen, dass die Partei die freiheitlich-demokratische Grundordnung nicht nur ablehnt, sondern aktiv bekämpft. Das wird nicht leicht sein. Auch die Mordserie der Zwickauer Zelle lässt sich nicht als Beweis für Verfassungsfeindlichkeit anbringen, weil die bisherigen Ermittlungen keine Verbindungen zur NPD aufgezeigt haben. Zudem stimmt die Befürchtung, die Neonazis könnten sich nach einem Verbot neu formieren.

Aber dann müssten diese Neuformationen eben auch wieder überprüft - und möglicherweise verboten werden. Es wäre ein Zeichen der Schwäche, würde sich der Staat zieren, gegen die NPD vorzugehen, nur weil er vor Gericht scheitern könnte. Ein solches Scheitern wäre sicher eine politische Blamage für die Kläger, aber bestimmt keine Adelung der NPD, wie manche Politiker - darunter auch der Bundesinnenminister - befürchten.

  • Aus der FTD vom 06.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler