FTD.de » Politik » Deutschland » Röttgen verscherzt es sich mit Merkel
Merken   Drucken   08.05.2012, 21:58 Schriftgröße: AAA

NRW-Wahl: Röttgen verscherzt es sich mit Merkel

Der CDU-Spitzenkandidat hat schlechte Chancen - deshalb erklärt er die Wahl im größten Bundesland zum Stimmungstest für die Sparpolitik von Angela Merkel. Die ist genauso erbost wie die gesamte Parteispitze in Berlin.

Fünf Tage vor der wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hat CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen ein Zerwürfnis mit Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel ausgelöst. Röttgen erklärte die Wahl am Sonntag zur Abstimmung über Merkels Spar- und Europakurs und brachte damit die CDU-Spitze gegen sich auf. Nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland brauche Merkel die Rückendeckung aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland, so Röttgen am Dienstag in Düsseldorf. "Angela Merkel kann nicht glaubwürdig und stark nach außen auftreten, wenn im größten Bundesland auch Verschuldung offensiv betrieben wird."

Norbert Röttgen im Wahlkampf   Norbert Röttgen im Wahlkampf

In den Umfragen liegt Röttgens NRW-CDU derzeit mit 31 Prozent deutlich hinter der SPD. Seit Röttgens Kandidatur im März sind die Werte stetig geschrumpft. In der Partei wird mit einer Niederlage gerechnet. Wenn Röttgen die NRW-Wahl nun zur Abstimmung über den Kurs der Bundesregierung ausruft, nimmt er die Kanzlerin in Mithaftung für die wahrscheinliche Niederlage.

Röttgen sagte in Düsseldorf, sein Wahlkampf-Schwenk sei mit Merkel und der Parteispitze abgesprochen. In den CDU-Führungsgremien am Montag hatte Röttgen nach Angaben von Teilnehmern tatsächlich angekündigt, im Wahlkampfendspurt in Nordrhein-Westfalen mit dem Hauptthema Verschuldungsstopp vor sein Publikum zu treten und damit auch das Kernthema Europas anzusprechen. Dass aber die Wahl in NRW zur Abstimmung über Merkels Europapolitik werden solle, sei eine völlig andere Aussage, hieß es in der Parteispitze.

In der Unionsführung wurde Röttgens Vorgehen als "schwerer Angriff" und als "einmaliger Affront" gegen die Kanzlerin gewertet. In der Parteispitze bis hoch zur Vorsitzenden Merkel sei die Verärgerung groß, hieß es. "In Nordrhein-Westfalen wird über den Kurs in der Landespolitik abgestimmt." Ein Mitglied des CDU-Präsidiums bezeichnete Röttgens Vorgehen als "massive Sauerei", die "mit Sicherheit nicht abgesprochen" sei. "Der redet sich und uns um Kopf und Kragen", hieß es. Nach einer Niederlage am Sonntag könne die CDU den Sparkurs schließlich nicht einfach für gescheitert erklären, nur weil NRW gegen Röttgen gestimmt habe.

Das Verhältnis der Kanzlerin zu ihrem Bundesumweltminister und stellvertretenden Parteivorsitzenden ist schon länger nicht mehr frei von Argwohn. Der besonders ehrgeizige Röttgen hatte schon öfter gezeigt, dass er sein Karrierestreben notfalls ohne Rücksicht auf Verluste auslebt. So versuchte er kurz vor der Bundestagswahl 2009 vergeblich, Fraktionschef Volker Kauder (CDU) den Posten abzujagen. Merkel verfolgt Röttgens Alleingänge schon länger mit Skepsis, sie schätzt aber sein wortgewandtes Auftreten.

Die Kanzlerin engagiert sich in NRW wie selten in einem Landtagswahlkampf zuvor. Sie hat bereits sechs Reden auf Großkundgebungen gehalten, drei weitere sind bis Freitag geplant.

  • Aus der FTD vom 09.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler