Die OECD wies auf die relativ großen Unsicherheiten ihrer Prognosen hin. Hintergrund seien beispielsweise die ungewissen Folgen des in Deutschland geplanten Atomausstiegs. Die Organisation betonte, die Wirtschaft in den Industriestaaten wachse deutlich langsamer als noch vor drei Monaten gedacht. In einigen Länder sei fast der Stillstand erreicht. "Aber wir glauben nicht, dass sich hier die Rezession von 2008/09 wiederholt", sagte OECD-Chefvolkswirt Pier Carlo Padoan.
Sollten sich die Wachstumsaussichten weiter verschlechtern, müsse die Politik rasch handeln. Von den G7- und G20-Staaten müssten starke Signale kommen, um verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen, forderte Padoan. Hoch verschuldete Länder sollten ihre Schuldenberge abtragen und mit wachstumsfördernden Strukturreformen flankieren.
Deutschlands exportorientierte Wirtschaft leidet stärker als andere große Volkswirtschaften unter der Eintrübung der Weltwirtschaft. Neue Daten des Statistischen Bundesamtes zeigten, dass die Ausfuhren im Juli den zweiten Monat hintereinander geschrumpft sind. Das schlägt unmittelbar auf die konjunkturelle Entwicklung durch.
Anfang des Jahres legte die heimische Wirtschaft noch um kräftige 1,3 Prozent im Quartalsvergleich zu. Im zweiten Quartal schaffte sie nur noch ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent. Für den Zeitraum Juli bis September erwarten Volkswirte noch ein geringes Wachstum. Für das Schlussquartal gehen einige Ökonomen von einer Stagnation aus.
Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hält Rezessionsängste für unbegründet. Er verwies im Bundestag auf positive konjunkturelle Eckdaten und ergänzte: "Angesichts solcher Zahlen ist Verunsicherung, ja sogar Angst vor Rezession vollkommen unangebracht." Deutschland habe eine starke Wirtschaft. "Und wir erwarten auch weiterhin robustes Wachstum in Deutschland."