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Merken   Drucken   05.03.2008, 11:11 Schriftgröße: AAA

OECD will radikalen Bildungsumbau  

Ökonomen der OECD geben dem ihrer Meinung nach ungerechten Bildungssystem in Deutschland Mitschuld am schlappen Wirtschaftswachstum. Die Fortschritte in Deutschland reichten noch nicht aus. von Lutz Meier (Paris)
"Deutschland sieht da nach wie vor nicht sehr brillant aus", sagte der amtierende Chefökonom des Industrieländerklubs, Jorgen Elmeskov, anlässlich der Veröffentlichung der Studie "Going for Growth". Die Fortschritte, die Deutschland gemacht habe, würden der Misere nicht abhelfen. "Wir würden uns radikalere Schritte wünschen, die zu einem weniger fragmentierten und segmentierten Bildungssystem führen", sagte der für Länderstudien zuständige Abteilungsleiter Andreas Wörgötter.
Die OECD zählt seit Langem zu den Kritikern der deutschen Bildungsstruktur. Sie veranstaltet auch den Vergleichstest Pisa. Neu ist, dass sich die OECD-Wirtschaftswissenschaftler dem Urteil anschließen und eine Verbindung zum Wachstumsrückstand in Deutschland ziehen. Die am Dienstag vorgestellte Studie untersucht die Reformfortschritte in den 30 Mitgliedsstaaten im vergangenen Jahr. Dabei geht es um Politikfelder, die die Experten als entscheidend für Wachstumsanreize ausgemacht haben. Sie nehmen sich speziell die Arbeitszeit- und Arbeitsmarktpolitik vor sowie eben die Bildungspolitik.
"Kennzeichnend für Deutschland ist, dass schlechte Bildungsausstattung über Generationen weitergegeben wird", sagte Wörgötter. Das liege daran, dass Bildung der Kinder hierzulande oft von Entscheidungen, vom Interesse und manchmal auch vom Geldbeutel der Eltern abhängig sei. "Zudem ist die frühe Auslese sehr schlecht für die Wirksamkeit des Bildungssystems", ergänzte Elmeskov. Auch die Hochschulbildung sparten die Experten nicht aus. Zu wenige Abiturienten würden im Vergleich mit anderen Ländern ein Studium aufnehmen, klagen sie. Fortschritte erhoffen sie sich von moderaten Studiengebühren, die einzelne Bundesländer eingeführt haben. Auch lobten sie die Bemühungen, Schulen und Unis mehr Autonomie zu geben.

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