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Merken   Drucken   16.11.2011, 22:37 Schriftgröße: AAA

Offene Kostenfrage: Energiewende muss wehtun

Leitartikel Das ist typisch deutsch: Erst gerät nach Fukushima das ganze Land in Panik, und die Regierung vollzieht über Nacht eine radikale Kehrtwende ihrer Energiepolitik. Ein halbes Jahr später haben dann alle Angst vor der eigenen Courage.
Bürger blockieren den dringend notwendigen Ausbau der Stromnetze. Und die Politik, die den Atomausstieg beschlossen hat, lässt die Konsequenzen vermissen, zügig auf erneuerbare Energien umzusteuern.
Gelingt Deutschland die Energiewende?

 

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Gegen Ende des Wendejahrs sieht die Realität so aus: Offshore-Windräder liefern mit 200 Megawatt nur einen Bruchteil der bis 2020 veranschlagten Strommenge. Von 3600 Kilometern Hochspannungstrassen sind gerade mal 90 Kilometer verlegt. Es fehlen Energiespeicher. Niemand will in Gaskraftwerke investieren. Die großen Energiekonzerne, brüskiert durch das Abschalten der Atommeiler, zeigen beleidigt auf die Stadtwerke. Die wiederum verweisen auf die Kommunen, deren Kassen leer sind. Privatinvestoren zaudern ob der ungewissen Rendite, Banken halten sich mit der Finanzierung zurück, und die Netzagentur wartet auf konkrete Projektvorschläge. So wird das nichts mit der Energiewende.
Gerät der Ausbau erneuerbarer Energien und des Leitungsnetzes weiter in Verzug, wird der zeitliche Rückstand nicht mehr aufzuholen sein. Dann wird es in diesem Jahrzehnt noch spürbare Stromausfälle geben, die dem Wirtschaftsstandort und damit dem Wohlstand schaden. Deshalb müssen möglichst bald unpopuläre Entscheidungen getroffen werden: Genehmigungen schneller erteilt und die Mitwirkungsrechte im Planungsverfahren eingeschränkt werden.
Das kann Naturschützern nicht gefallen, die sich um die Brutstätte von Schweinswalen und den Lebensraum von Seetauchern sorgen. Das wird auch Anwohner aufbringen, die keine Strommasten in ihrer Umgebung dulden. Aber der Atomausstieg - darüber sollte sich jeder klar sein - hat für jeden einzelnen Bürger seinen Preis.
Bleibt die Frage, wie der nationale Kraftakt zu finanzieren ist. Offenbar sind die Anreize nicht groß genug, um Privatinvestoren zu locken. Eine Möglichkeit wäre ein Bürgerfonds, an dem sich Investoren ähnlich steuerbegünstigt beteiligen können wie an Windparks oder Solaranlagen. Oder der Staat beteiligt sich gleich direkt am Netzausbau. Teuer wird's auf die eine wie auf die andere Weise.

Infografik: Wo das Stromnetz ausgebaut werden muss

  • Aus der FTD vom 17.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 21.11.2011 19:43:53 Uhr   henrico: Endlager

    Die Betreiber der AKW's zahlen schon seit vielen Jahren einen gemeinsamen "Topf", der die Endlager finanzieren wird. Geld dazu ist vorhanden. Dieses Argument zieht nicht.
    Die sichersten Kraftwerke der Welt werden abgeschafft und unsichere werden direkt an der deutschen Grenze aufgebaut. Radionuklide halten aber nicht an der Grenze.
    Was im technikfeindlichsten aller Länder momentan passiert ist einfach nur erschreckend.
    Das allerschlimmste ist, das die Medien unser Land regieren und jeder unwissende Bundesbürger "Spiegel" und Co. vollkommenen Glauben schenkt. Die Reporter dieser Zeitschriften werden aber nicht für logisches Denken bezahlt sondern für das schreiben von sensationsgeilen Artikeln, die mit der Wahrheit absolut garnichts zu tun haben.
    Otto-Normalbürger hat von Atomstrom ungefähr so viel Ahnung wie vom "American Football", deshalb bitte ich darum den wirklichen Experten Glauben zu schenken und nicht den Halbwissen-Verbreitenden Klatschblättern.

  • 17.11.2011 23:29:32 Uhr   Memphrite: Strom aus Frankreich
  • 17.11.2011 23:03:49 Uhr   Jürgen: @ Weinen ist normal
  • 17.11.2011 20:03:43 Uhr   Lupus 1435: Auf die richtigen Leitungen kommt es an
  • 17.11.2011 14:52:17 Uhr   Werner: Unverschämtheit
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