Noch vor Weihnachten erhöhten Heise und sein Volkswirteteam ihre Prognose auf zwei Prozent - fast doppelt so viel, wie damals die notorisch skeptische EU-Kommission für möglich hielt. Der Exportboom werde jetzt die Investitionen und selbst die Beschäftigung in Deutschland mitziehen, sagte Heise damals. Mit seiner Vorhersage, dass die Ausrüstungsinvestitionen 2006 mit einer Rate von mehr als sieben Prozent zulegen würden, lag er ebenso richtig. Auch den Anstieg des Konsums um rund ein Prozent sah er relativ präzise so kommen. Und: Er war unter den Ersten, die im Frühjahr ahnten, dass das Wachstum am Ende sogar über zwei Prozent steigen würde.
Ähnlich zuversichtlich gab sich Ende 2005 Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter: "2006 wird ein Superjahr." Der Haken: Anders als die meisten Profis wagte Walter diesmal keine genaueren Prognosen zu Konsum, Investitionen oder Export, weshalb er auch schwer zu vergleichen ist mit der Konkurrenz. Zum Prognostiker des Jahres gehört mehr als nur eine Zahl zum Gesamtwachstum.
Auch die Zwei-Prozent-Prognose von Vorjahressieger Carsten Klude von M.M. Warburg hat einen Schönheitsfehler. Als Klude Mitte Dezember zum Prognostiker 2005 gekürt wurde, hielt er für 2006 nur ein Wachstum von 1,5 Prozent für möglich, das Heraufsetzen auf zwei Prozent folgte erst zum Jahreswechsel. Auch die Beschleunigung des Aufschwungs im Frühjahr erkannte Klude später als Allianzer Heise.
Auf die drei Top-Prognostiker folgt mit etwas Abstand das große Mittelfeld, zu dem ganz oben die regelmäßig gut abschneidenden Experten Véronique Riches-Flores von der Société Générale und Holger Schmieding von der Bank of America zählen. Beide haben ähnlich früh wie Heise vom nahenden Aufschwung geschrieben, allerdings nicht den Mut gehabt, auch ihre Prognosezahl entsprechend stark hochzusetzen.
Die schlechtesten Prognosen haben die gemacht, die stets am heißesten gehandelt werden: neben der EU auch der IWF. Und die Bundesregierung, die den Aufschwung, den sie sich jetzt auf ihre Fahnen schreibt, selbst gar nicht prognostiziert hat. Da sage noch jemand, Regierungen hätten einen Hang, die Lage schönzureden. In Deutschland galt 2006 das Gegenteil.