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Merken   Drucken   22.09.2011, 19:59 Schriftgröße: AAA

Papstrede: Philosophiestunde im Bundestag

Leitartikel Das war sie jetzt also: die im Vorfeld ach so umstrittene Papstrede im Deutschen Bundestag. Sie transportierte zwar eine politische Botschaft, das Oberhaupt der Katholiken ging aber auf keine der unzähligen Erwartungen ein. Und das war gut so.
Eine qualifizierte Mehrheit der Zuhörer im Reichstagsgebäude wird wahrscheinlich in einer ruhigen Stunde erst mal nachschlagen müssen, was der vatikanische Staatsgast wohl gemeint haben könnte. Ob das irgendwie gut war oder gar gefährlich, religiöse Propaganda oder doch im Sinne des Hohen Hauses.
Umstrittener Besucher Gegenwind für den Papst
Dabei hatte die Philosophiestunde mit Professor Ratzinger, Thema "Der teuflische Positivismus und das himmlische Naturrecht", durchaus eine politische Botschaft: Das nächste Mal, wenn ihr hier abstimmt, liebe Abgeordnete, denkt nicht so viel an Mehrheiten und Machbarkeit, sondern auch, ob ihr sonst noch irgendeine weltanschauliche Basis für euer Handeln habt.
Mehr an Politischem war dann aber nicht. Kein Appell für mehr Frieden, gegen Krieg, nix über die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, keine Versprechen, als katholische Kirche die Ökumene voranzutreiben, das Zölibat fallen zu lassen, bei der Sexualmoral lockerer zu werden und so weiter. Kein Wort.
Und das war gut so. Benedikt XVI. war klug genug, in seiner Bundestagsrede auf keine der unzähligen Erwartungen eingegangen zu sein, die vorher lautstark geäußert worden waren - wie noch am gleichen Tag von Bundespräsident Wulff und Bundestagspräsident Lammert. Der Papst hätte nur verlieren können und seine Zuhörer nichts gewinnen. Wenn man den Papst schon einlädt, muss man den nehmen, den es gibt - nicht einen, den man am liebsten hätte. Und dann kommt eben der konservative, eher spröde Professorenpapst und spricht über sein Lieblingsthema. Benedikt XVI. hat im Bundestag seinen ihm eingeräumten Wettbewerbsvorteil für seine Weltanschauung genutzt. Dass er dabei als Staatsgast eingeführt wurde, aber als Kirchenführer auftrat, war zu erwarten. Es ist ein Präzedenzfall, der Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz wecken wird.
  • Aus der FTD vom 23.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 26.09.2011 12:11:25 Uhr   Sonnenschein: Papstrede im deutschen Bundestag

    Die Rede hat mir sehr gut gefallen. Sie weist auf Vieles hin, was wir manchmal nicht mehr bedenken. Das hat mich sehr erfreut.

  • 25.09.2011 12:09:54 Uhr   Holgerw: Kritik an meinen Äußerungen
  • 24.09.2011 12:37:41 Uhr   zwipi69: Der böse Papst
  • 24.09.2011 07:08:20 Uhr   Jungster: Papstrede
  • 23.09.2011 15:42:38 Uhr   Holgerw: Philosophiestunde?
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