Christian von Boetticher galt im Norden lange als Kronprinz von Regierungschef Peter Harry Carstensen. Wegen einer Affäre mit einer 16-Jährigen muss er aufgeben - und stürzt die Nord-CDU in eine Führungskrise.
von Thomas SteinmannBerlin
Der überraschende Rückzug ihres Spitzenkandidaten Christian von Boetticher neun Monate vor der Landtagswahl stürzt die Nord-CDU in eine tiefe Führungskrise. Der 40 Jahre alte Boetticher, der auch in der Bundes-CDU als Hoffnungsträger galt, stellte am Sonntag auf massiven Druck aus der Partei die Spitzenkandidatur und den Landesvorsitz zur Verfügung. Zuvor war eine frühere Liebesbeziehung mit einer damals 16-jährigen Schülerin bekannt geworden.
"Ich habe die moralische Bedeutung meiner Beziehung falsch eingeschätzt", sagte Boetticher am Abend nach einer Krisensitzung des Landesvorstands. "Es war schlichtweg Liebe", fügte er hinzu. Als Favorit für die Nachfolge gilt Wirtschaftsminister Jost de Jager. Den Vorsitz der Landtagsfraktion will Boetticher vorerst behalten.
Der Fall des Kronprinzen von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen ist nicht nur für die CDU im Norden ein schwerer Rückschlag. Eine drohende Abwahl von Schwarz-Gelb in Kiel, die durch die Turbulenzen wahrscheinlicher wird, könnte auch die Nervosität in der Bundes-CDU vergrößern. Bis zur Bundestagswahl 2013 wird auf Länderebene nur noch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen gewählt. In Umfragen lag die Nord-CDU zuletzt mit 33 Prozent nur noch knapp vor der SPD, die mit dem Kieler Oberbürgermeister Torsten Albig in die Wahl geht.
Boetticher, der sich als einer der letzten konservativen Köpfe in der CDU positioniert hat, war stets darauf bedacht, sein Beziehungsleben für sich zu behalten. In den vergangenen Tagen hatten sich jedoch Gerüchte über eine Partnerschaft mit einer Minderjährigen verdichtet, die ihn nun in die Offensive zwangen.
FDP will rasche Lösung
Der damals ledige Jurist hatte die Anfang 2010 über das soziale Netzwerk Facebook entstandene Beziehung mit dem Mädchen aus Nordrhein-Westfalen wenige Monate später beendet. Obwohl die Liaison strafrechtlich zulässig ist, hatte sie nach dem Bekanntwerden in den vergangenen Tagen bei der als konservativ geltenden Nord-CDU großen Unmut ausgelöst. Auch Carstensen war zuletzt von Boetticher abgerückt.
Die FDP, die mit der CDU im Landtag nur mit einer hauchdünnen Mehrheit regiert, forderte den Koalitionspartner auf, eine schnelle Lösung für die Führungskrise zu finden. Die FDP stehe "nicht in einer Koalition mit Christian von Boetticher, sondern mit der CDU", sagte Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Die Opposition hielt sich am Sonntag mit Kommentaren zurück.
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