Zweifelnder Blick: Union-Kanzlerkandidatin Angela Merkel
Nach Berechnungen von Infratest dimap für die ARD und von Forsa hat die SPD Chancen, bei der Zahl der Bundestagsmandate trotz eines schwächeren Ergebnisses gleichzuziehen. Unter für die FDP optimistischen Annahmen könnten beide große Parteien demnach jeweils 223 Sitze bekommen, offenbar auch aufgrund von Überhangmandaten für die SPD. Den Ausschlag, wer stärkste Partei wird, könnte dann die Nachwahl im Wahlkreis Dresden I am 2. Oktober geben.
Davon, ob SPD oder Union stärkste Fraktion wird, hängt ab, wer die Regierung bilden kann. Nach Hochrechnungen von ARD und ZDF haben weder Union und FDP noch die bisherige rot-grüne Koalition eine Mehrheit im Bundestag. Denkbar sind eine große Koalition wie auch eine Ampelkoalition von SPD, FDP und Grünen. Möglich wäre aber auch eine Koalition von Union, FDP und Grünen.
SPD und Union verlieren
Nach den Hochrechnungen von ARD und ZDF erreichte die Union nur etwa 35 Prozent und und liegt nur knapp vor der SPD. Die Union bleibt damit deutlich hinter den Erwartungen zurück. Für sie zeichnet sich das schlechteste Ergebnis seit 1949 ab. 2002 hatte die Union mit dem Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber 38,5 Prozent erzielt.
Der SPD von Bundeskanzler Gerhard Schröder werden 34 Prozent vorhergesagt, gut vier Prozent weniger als 2002. Das wäre eines ihrer schlechtesten Ergebnisse seit dem Krieg, aber wesentlich mehr, als ihr in den ersten Umfragen unmittelbar nach der Ankündigung der Neuwahlen am 22. Mai prognostiziert wurde.
Die FDP kommt als Überraschungssiegerin auf gut 10 Prozent, rund 3 Prozentpunkte mehr als 2002. Sie wird damit voraussichtlich drittstärkste Kraft und erreicht eines ihrer besten Ergebnisse.
Die Grünen schafften gut 8 Prozent und blieben damit leicht unter ihrem Ergebnis von 2002. Sie sind jetzt die kleinste Partei im Bundestag Die Linkspartei bekam fast 9 Prozent und zieht damit in Fraktionsstärke in den Bundestag ein. 2002 hatte die PDS 4,0 Prozent bekommen.
Merkel will mit allen Parteien reden
Merkel sagte nach den ersten Hochrechnungen, nach denen die Union noch knapp vorne lag: "CDU und CSU sind die stärkste Kraft, die Union hat damit einen klaren Auftrag, eine Regierung zu bilden." Sie kündigte an, Gespräche mit allen Parteien außer der Linkspartei aufzunehmen. CSU-Chef Edmund Stoiber nahm eine ähnliche Bewertung vor. Nach den Gesprächen werde man sehen, "ob eine stabile Regierung unter Frau Merkel" zu Stande kommt.