Gut eine Woche nach der Pleite des Nürburgrings gibt es ein erstes konkretes Signal für den Weiterbetrieb im kommenden Jahr. Die Ring-Pächter Jörg Lindner und Kai Richter habe mit dem Musik-Event "Rock am Ring" eine der wichtigsten Großveranstaltungen für das kommende Jahr gesichert. "Wir haben den Vertrag mit Marek Lieberberg diese Nacht um zwei Jahre verlängert", sagte Richter der FTD. Die Pächter gaben sich zuversichtlich, dass sie auch mit Fomel 1-Veranstalter Bernie Ecclestone noch im August einen Vertrag über ein Rennen im kommenden Jahr erzielen würden.
Die Zukunft des Nürburgrings ist ungewiss, seitdem die landeseigene Immobiliengesellschaft am 20. Juli einen Insolvenzantrag gestellt hat. Die Pleite ist zudem hochpolitisch, weil damit ein Prestigeprojekt der rheinland-pfälzischen Regierung unter Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ins Schlingern geraten ist. Der Versuch, mit Steuermitteln die Wirtschaft in einer der strukturschwächsten Regionen Deutschlands zu fördern, scheint vorläufig gescheitert.
Am Mittwochmorgen berieten mehrere Landtagsausschüsse über die Nürburgring-Pleite. Für den Nachmittag ist eine Sondersitzung des Landtags geplant. Die CDU fordert den Rücktritt von Beck.
Die rot-grüne Landesregierung will einen 330-Mio.-Euro-Kredit für den Nürburgring von der Förderbank mit einer Landesrücklage von 254 Mio. Euro teilweise tilgen. Denn die insolvente Ring-Gesellschaft kann ihn nicht mehr bedienen. Für die Tilgung wollte die Regierung im Haushaltsausschuss die Zustimmung der rot-grünen Mehrheit suchen. Die CDU ist dagegen, weil Kredit und Tilgung aus ihrer Sicht gegen das EU-Beihilferecht verstoßen.
Noch besteht Hoffnung, die über 80 Jahre alte Strecke als Veranstaltungsort zu retten, nachdem das Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler letzte Woche ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung genehmigt hat. Ring-Sanierer Thomas Schmidt hat angekündigt, den Betrieb zukunftsfähig machen zu wollen und dann weltweit nach Käufern zu suchen. Dazu braucht er allerdings eine Einigung mit Lindner und Richter, die seit 2010 über die Nürburgring Automotive GmbH, an der sie je zur Hälfte beteiligt sind, den Betrieb auf dem Ring organisieren. Am Freitag hatten sich beide Seiten erstmals getroffen und nach Informationen der FTD eine Annäherung erzielt.
Die Sanierer stehen unter hohem Zeitdruck. Die Vorbereitungen für Großveranstaltungen wie Rock am Ring und die Formel 1 müssen in den nächsten Wochen anlaufen, wenn sie noch eine Chancen für die Realisierung im kommenden Jahr haben sollen.