Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen
Angesichts der drohenden Schäden will die Regierung vor allem das einheimische Potenzial etwa bei Frauen und Älteren besser ausschöpfen. Ein zweiter Baustein soll die erleichterte Zuwanderung ausländischer Spitzenkräfte sein - wobei innerhalb der Regierung noch umstritten ist, wie weit die Zugangshürden abgebaut werden sollen. Arbeitsministerin von der Leyen und die FDP wollen die Verdienstschwelle von 66.000 Euro, ab der Hochqualifizierte von Beginn an für sich und ihre Familien ein Daueraufenthaltsrecht bekommen, deutlich senken. 2010 kamen auf diesem Wege weniger als 700 Nicht-EU-Ausländer ins Land. Bei Innenpolitikern der Union, aber auch bei den Gewerkschaften gibt es dennoch weiterhin Vorbehalte - aus Furcht vor der Konkurrenz um Arbeitsplätze und möglichen Integrationsproblemen.
Die Prognosen der Arbeitsmarktforscher belegen aber, dass die Ängste unbegründet sind. Zugleich zeigen sie, welchen Rückstand Deutschland im globalen Wettbewerb um Ingenieure oder IT-Experten gegenüber traditionellen Einwanderungsländern hat. Die bisher sehr hohen bürokratischen Hürden sowie das mäßige Image als Gastland erschweren einen Kurswechsel.
"Das Selbstbildnis, dass Deutschland für Spitzenkräfte ein Land ist, in dem Milch und Honig fließen, ist Quatsch", sagte der Arbeitsmarktforscher Oliver Koppel vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. "Was das deutsche Zuwanderungsrecht ausstrahlt, ist eine glasklare Abwehrhaltung." Dies ist auch das Ergebnis einer DIHK-Umfrage unter 47 Außenhandelskammern. Lange Verfahrensdauern bei der Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen sowie eine Vielzahl von Ansprechpartnern schrecken demnach Interessenten ab. Nötig seien eine einfachere und zügigere Visavergabe sowie ein transparentes Regelwerk zur Zuwanderung und zum Familiennachzug, fordert der DIHK.