Bei aller Finanzakrobatik der Politik im Kampf gegen die Folgen der Wirtschaftskrise ist eines in den Hintergrund geraten: Neben den konjunkturbedingten Belastungen, die jetzt massiv durchschlagen, im Aufschwung aber größtenteils wieder verschwinden, gibt es für die öffentlichen Finanzen ein viel tiefer gehendes Problem: die zunehmende Alterung der Gesellschaft. Dieses ist struktureller Natur und löst sich auch bei einer besseren Wirtschaftslage nicht von selbst auf.
Seit Langem ist bekannt, dass das wachsende Missverhältnis zwischen Erwerbstätigen und Leistungsempfängern vor allem die Sozialkassen trifft. Wenn Union und FDP mit einem verpflichtenden Zusatzbeitrag für die Arbeitnehmer Milliardenlöcher in der Pflegeversicherung verhindern wollen, ist das gerechtfertigt. Vorwerfen lässt sich hier der Politik allenfalls, dass sie das Thema Demografie sehr spät angeht. Die Pflegekasse benötigt angesichts einer stark steigenden Zahl von Senioren und Pflegebedürftigen eine bessere Finanzausstattung.
Die Frage, über die sich streiten lässt, ist nur, wie das Geld aufgebracht werden soll. Völlig absurd wäre es gewesen, hätte Schwarz-Gelb auch die Pflegeversicherung aus dem Schattenetat gestützt, mit dessen Hilfe Arbeitslosen- und Krankenkassen stabilisiert werden sollen. Anders als bei diesen Zweigen der Sozialversicherung ist die absehbare Unterdeckung bei der Pflege nicht krisenbedingt, sondern dauerhaft.
Grundsätzlich ist es sinnvoll, kapitalgedeckte Elemente in die Pflegeversicherung aufzunehmen, wie es die Koalitionäre planen. Denn die Alternative wäre, die gesetzlichen Beiträge anzuheben. Dass in der Folge allein die Versicherten für die zusätzliche Pflichtversicherung zahlen, muss man hinnehmen. Würden die Arbeitgeber paritätisch beteiligt, hätte dies negative Auswirkungen auf die Beschäftigung. Nicht vertretbar wäre es aber, eine einkommensunabhängige Pauschale einzuführen. Um schwache Versicherte nicht zu überfordern, ist eine lohnabhängige Zusatzabsicherung der richtige Weg.