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Merken   Drucken   05.05.2012, 16:50 Schriftgröße: AAA

Philipp Rösler: Wie man einen FDP-Chef demontiert

In der FDP brodelt vor der Wahl in Schleswig-Holstein die Gerüchteküche: Parteichef Rösler gilt als angezählt, die Liberalen planen bereits den Königsmord. Bisher fehlt ihnen allerdings der passende Vollstrecker.
© Bild: 2012 Reuters/RALPH ORLOWSKI
In der FDP brodelt vor der Wahl in Schleswig-Holstein die Gerüchteküche: Parteichef Rösler gilt als angezählt, die Liberalen planen bereits den Königsmord. Bisher fehlt ihnen allerdings der passende Vollstrecker.
von Tim Braune

Philipp Rösler hat Personenschutz. Leibwächter vom BKA passen auf, dass dem Vizekanzler kein Haar gekrümmt wird. Auf der Computermesse Cebit ging das beinahe schief. Es war aber nur ein Stück Kuchen, das ein Chaot Rösler ins Gesicht drückte. Gefährlicher für den FDP-Chef sind Heckenschützen in den eigenen Reihen. Direkt vor der Wahl an diesem Sonntag in Schleswig-Holstein, wo Meinungsforscher der schon totgesagten FDP am Sonntag 6 bis 7 Prozent zutrauen, untergraben Gerüchte die ohnehin nicht mehr allzugroße Autorität des Bundesvorsitzenden.

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"Kubicki spielt gern mit dem Feuer"

"Königsmörder gesucht", überschrieb die "Süddeutsche Zeitung" am Samstag eine Art Fahndungsaufruf. Das Täterprofil wurde gleich mitgeliefert. Am Ende laufe es auf Wolfgang Kubicki hinaus. Der ewige Querulant von der Förde ist auf bestem Weg, mit einem fulminanten Ego-Wahlkampf die FDP "aus dem Verschiss" (O-Ton Kubicki) zu holen. Kubicki müsse Rösler unabhängig von den Wahlergebnissen in Kiel und eine Woche später in Nordrhein-Westfalen beibringen, dass er als Parteichef gescheitert sei, lautete die Schlussfolgerung.

Diese Variante brachte am Wochenende die liberale Familie in Wallung. In hochrangigen Parteikreisen hieß es, niemand rechne derzeit mit einem Sturz Röslers. Die Betonung liegt auf derzeit. Kubicki jedenfalls werde nun keinen Krieg anzetteln. "Kubicki spielt gern mit dem Feuer, hat aber nie Feuer gelegt." Dies würde die Siegchancen von Christian Lindner am 13. Mai in NRW gefährden.

Lindner oder Brüderle das Feld überlassen

Sehr bitter für Rösler muss sein, dass die Power-Wahlkämpfer Lindner und Kubicki ihn zu einem Mitläufer degradiert haben. Der FDP-Übervater Hans-Dietrich Genscher machte seiner Partei zum zweiten Mal binnen weniger Wochen sehr deutlich, wer für ihn die strahlende Zukunft der Liberalen verkörpert: "Christian Lindner steht für eine neue, moderne, weltoffene FDP", sagte Genscher jetzt der "Welt". Im Umkehrschluss bedeutet das: Rösler nicht.

Lindner habe die richtigen Konsequenzen aus der Strukturkrise gezogen. "Die neue FDP, mit dem von Lindner geforderten neuen Denken, vertritt eine neue Haltung, sie ist keine Ein-Mann-Show, und sie ist keine Ein-Themen-Partei", schwärmte Genscher, dessen Worte in der FDP Donnerhall haben. Viele Liberale treibt die Sorge um, es sei ein zu großes Risiko, mit Rösler, dem unbeliebtesten aller Spitzenpolitiker, in den Bundestagswahlkampf 2013 zu ziehen.

So hofft mancher in der FDP, dass Rösler von sich aus Konsequenzen zieht und Lindner (33) oder Fraktionschef Rainer Brüderle (66) das Feld überlässt. Warum aber sollte der 39-Jährige im Fall von zwei gewonnenen Wahlen aufgeben? Gegen einen kampflosen Rückzug spricht, dass Rösler Ehre und Pflichtgefühl hochhält. Sein Vater war Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr. In der Kaserne machte Rösler seine Hausaufgaben, ging später selbst als Arzt zur Armee.

Auch bräuchte Rösler eine lukrative "Anschlussverwendung" - wie er es den Schlecker-Frauen empfahl - in eigener Sache. Der Wirtschaftsminister ist nicht durch ein Bundestagsmandat abgesichert. Wer aber könnte Rösler in absehbarer Zeit darlegen, dass seine Zeit bereits nach einem Jahr an der FDP-Spitze womöglich abgelaufen ist? Vielleicht klingelt dann Röslers Handy und eine alte, aber hellwache Stimme meldet sich mit: "Genscher".

  • dpa, 05.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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