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Merken   Drucken   22.02.2012, 18:36 Schriftgröße: AAA

Piratenpartei: Aschermittwoch auf piratisch

Sie wollen anders sein und werden den etablierten Parteien doch ähnlicher. Auch bei der Piratenpartei wird getrunken, gewettert und gelacht. Nur das Laptop darf nicht fehlen. von Svenja Hering, Berlin
Anders als alle anderen - so geben sich die Piraten gerne. Dieses Motto stellt Wilm Schumacher, Generalsekretär der Piratenpartei, an den Beginn seiner Rede zum Politischen Aschermittwoch. Doch so richtig anders als die etablierten Parteien sind die Piraten dann doch nicht. Zwar nennen sie die Veranstaltung im Ingolstädter Stadttheater "Piratiger Aschermittwoch". Und rein optisch - Kapuzenpullis, Laptops und lange Haare - unterscheidet sich das Publikum der Veranstaltung von dem der anderen Parteien.
Die Piratenpartei bei einer Wahlkampfveranstaltung   Die Piratenpartei bei einer Wahlkampfveranstaltung
Bereits zum vierten Mal treffen sich die Piraten schon zum Politischen Aschermittwoch. Aber noch nie war das Interesse so groß. Erstmal findet die Veranstaltung in einem Stadttheater statt. Vorher haben sie sich mit einer Turnhalle begnügt.
Doch abgesehen von solchen Äußerlichkeiten: Tatsächlich läuft vieles bei den Piraten wie bei der etablierten Konkurrenz. Und so zogen die Piraten am Aschermittwoch ebenso kräftig vom Leder gegen ihre politischen Gegner, wie CSU, SPD, Grüne und FDP das seit Jahren tun. Sie machen sich biertrinkend über die Facebook-Inkompetenz und das Twitter-Versagen bei Politikern lustig. Und natürlich geht es auch um das Internet.
So nennt der bayrische Pirat Alexander Bock die EU-Digitalkommissarin Neelie Kroes naiv. Den für Acta zuständigen Handelskommissar, Karel de Gucht, bezeichnet er als "Handlanger der Lobbys". Bundesgeneralsekretär Schumacher macht sich lustig über die "grünen Hippies" der baden-württembergischen Landesregierung und die "marode Einstellung" von Politikern, die mit Wasserwerfern gegen Demonstranten vorgehen. "Und von diesen Leuten muss ich mir mangelnde Erfahrung vorhalten?", empört er sich.
Der Berliner Abgeordnete Fabio Reinhardt trinkt während seiner 15-Minuten-Rede zwei Gläser Bier. Nebenbei macht er sich über die Suche der Piraten nach der "Realpolitik" im Berliner Abgeordnetenhaus lustig. Den anschließenden Applaus rechnet Reinhardt dann "eher meinem Bierkonsum" zu.
"Politik muss nicht immer bierernst sein", sagt ihr Sprecher Aleks Lessmann. Es gehe hauptsächlich darum, sich mit Freunden zu treffen, zu trinken und Spaß zu haben. Dem würde wahrscheinlich keine der etablierten Parteien widersprechen.
  • FTD.de, 22.02.2012
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