Merkel verteidigt Minister
Die Universität der bayerischen Stadt prüft derzeit den Fall und dabei auch, ob sie den Doktortitel gemäß ihrer eigenen Bestimmungen Guttenberg wieder entziehen muss. Sollte sie sich aufgrund ihrer Untersuchung zur Aberkennung des "Dr." entscheiden, riskiert die Hochschule, dass auch auf sie ein Schatten fällt, da sie damit eingestehen würde, einem Werk mit wohl mehr als 100 mutmaßlichen abgekupferten Textstellen die Bestnote gegeben zu haben.
Noch vor wenigen Tagen hatte Guttenberg Plagiatsvorwürfe als "abstrus" abgetan. Nun räumte er ein, er habe zwar Fehler begangen, diese aber "nicht bewusst gemacht". Er habe in seiner Arbeit "den Überblick über die Quellen verloren". Nun wolle er dazu beitragen, dass sein ehemaliger Doktorvater und seine frühere Universität keinen Schaden nähmen. Guttenberg wies erneut die Vermutung zurück, für die Arbeit einen Ghostwriter engagiert zu haben: "Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe."
Zuvor hatten sich in Berlin noch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Spitzenpolitiker der Union demonstrativ hinter den Minister gestellt. "Der Bundesverteidigungs-Minister hat mein volles Vertrauen", sagte Merkel. Sie habe Guttenberg als Minister in die Regierung berufen und nicht als wissenschaftlichen Assistenten. "Mir geht es um seine Arbeit als Verteidigungsminister. Die macht er hervorragend. Und das ist das, was für mich zählt", so die Kanzlerin.
Die Internetdatenbank Guttenplag listet inzwischen mehr als 350 Fundstellen aus Guttenbergs Doktorarbeit auf, die nicht korrekt zitiert worden sein sollen. Auf insgesamt 286 der 475 Seiten der Dissertation seien Plagiate entdeckt worden, erklärten die Autoren der Datenbank.