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Merken   Drucken   22.02.2011, 08:57 Schriftgröße: AAA

Plagiatsaffäre: Guttenberg erklärt sich zum Doktor der Reserve

Der angeschlagene Minister versucht den Befreiungsschlag mit einer Salami-Taktik. Nannte er den Vorwurf des Abpinnens zunächst "abstrus", spricht er nun von "Blödsinn". Auf den Doktortitel verzichtet er dauerhaft. von Claudia Kade  Berlin und Kathinka Burkhardt, Kelkheim
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will mit einem Schuldeingeständnis die Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit beenden. Er wolle seinen Titel künftig nicht mehr führen, kündigte der CSU-Politiker bei einer Wahlveranstaltung im hessischen Kelkheim bei Frankfurt an.
Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg   Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg
Zugleich räumte Guttenberg ein, beim Abfassen der Arbeit nicht immer nach wissenschaftlichen Regeln gearbeitet zu haben. "Ich habe mich am Wochenende nochmals mit meiner Doktorarbeit beschäftigt, und es war richtig, dass ich gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht mehr führen werde", so der Minister.
Am Freitag hatte er gesagt, er wolle den Titel vorübergehend nicht mehr führen, bis die Universität Bayreuth die Plagiatsvorwürfe geprüft habe. Diese Einschränkung machte er nun nicht mehr: "Die Entscheidung, den Doktortitel nicht zu führen, schmerzt." Auch die Ankündigung, nur noch mit der Universität über das Thema kommunizieren zu wollen, verwarf Guttenberg bei einer Wahlveranstaltung in Hessen.
Markieren, kopieren, blamieren Scherze mit Guttenbergs Plagiat
Die Ankündigung Guttenbergs ist reine Symbolpolitik. Er kann sich dafür entscheiden, den Doktortitel nicht mehr zu verwenden, zum Beispiel hat er ihn auf seiner Homepage schon getilgt. Rein rechtlich kann der CSU-Politiker den Titel jedoch nicht ablegen. Nur eine Universität, bei der ein Akademiker promovierte, kann dies formal tun. In Guttenbergs Fall ist das die Uni Bayreuth, die seine Dissertation mit "summa cum laude" beurteilt hatte, also der bestmöglichen Note.
Merkel verteidigt Minister
Guttenberg will kein Doktor mehr sein. Damit...

 

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Die Universität der bayerischen Stadt prüft derzeit den Fall und dabei auch, ob sie den Doktortitel gemäß ihrer eigenen Bestimmungen Guttenberg wieder entziehen muss. Sollte sie sich aufgrund ihrer Untersuchung zur Aberkennung des "Dr." entscheiden, riskiert die Hochschule, dass auch auf sie ein Schatten fällt, da sie damit eingestehen würde, einem Werk mit wohl mehr als 100 mutmaßlichen abgekupferten Textstellen die Bestnote gegeben zu haben.
Noch vor wenigen Tagen hatte Guttenberg Plagiatsvorwürfe als "abstrus" abgetan. Nun räumte er ein, er habe zwar Fehler begangen, diese aber "nicht bewusst gemacht". Er habe in seiner Arbeit "den Überblick über die Quellen verloren". Nun wolle er dazu beitragen, dass sein ehemaliger Doktorvater und seine frühere Universität keinen Schaden nähmen. Guttenberg wies erneut die Vermutung zurück, für die Arbeit einen Ghostwriter engagiert zu haben: "Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe."
Zuvor hatten sich in Berlin noch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Spitzenpolitiker der Union demonstrativ hinter den Minister gestellt. "Der Bundesverteidigungs-Minister hat mein volles Vertrauen", sagte Merkel. Sie habe Guttenberg als Minister in die Regierung berufen und nicht als wissenschaftlichen Assistenten. "Mir geht es um seine Arbeit als Verteidigungsminister. Die macht er hervorragend. Und das ist das, was für mich zählt", so die Kanzlerin.
Die Internetdatenbank Guttenplag listet inzwischen mehr als 350 Fundstellen aus Guttenbergs Doktorarbeit auf, die nicht korrekt zitiert worden sein sollen. Auf insgesamt 286 der 475 Seiten der Dissertation seien Plagiate entdeckt worden, erklärten die Autoren der Datenbank.
  • Aus der FTD vom 22.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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