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Merken   Drucken   11.05.2011, 16:15 Schriftgröße: AAA

Plagiatsvorwürfe: Guttenberg macht sich zum Stressopfer seiner Familie

Der Ex-Verteidigungsminister gibt an, bei seiner Doktorarbeit an beruflicher und familiärer Überforderung gescheitert zu sein. Er attestiert sich selbst eine teilweise chaotische Arbeitsweise. Doch die Uni nimmt ihm den "Zustand der Dauervergesslichkeit" nicht ab.
© Bild: 2011 TOBIAS SCHWARZ/REUTERS
Der Ex-Verteidigungsminister gibt an, bei seiner Doktorarbeit an beruflicher und familiärer Überforderung gescheitert zu sein. Er attestiert sich selbst eine teilweise chaotische Arbeitsweise. Doch die Uni nimmt ihm den "Zustand der Dauervergesslichkeit" nicht ab.
Der frühere CSU-Star Karl-Theodor zu Guttenberg erklärt die vielen Fehler in seiner Dissertation mit beruflichem und familiärem Dauerstress. Das geht aus dem Bericht der Prüfkommission der Universität Bayreuth hervor. Erstmals werden Einzelheiten aus Guttenbergs Stellungnahme zu den Vorwürfen bekannt. Der CSU-Politiker räumte eine "ungeordnete Arbeitsweise" mit "gelegentlich chaotischen Zügen" ein. Eine vorsätzliche Täuschung bestreitet Guttenberg nach wie vor.
Die Guttenberg-Story Doktor und Minister a.D.
Die Kommission wies die Argumentation des früheren Verteidigungsministers zurück. Wer jahrelang akzeptiere, dass er Sorgfaltsstandards nicht einhält, "handelt nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich, weil er die Sorgfaltswidrigkeit zum bewussten Arbeitsstil erhebt", heißt es in dem Bericht. Die Hochschule hatte dem Politiker den Doktortitel vor Wochen aberkannt, nachdem Guttenberg versucht hatte, die Affäre loszuwerden, in dem er darauf verzichten wollten, sich weiterhin Doktor zu nennen. Hinweise auf einen Ghostwriter bei der Doktorarbeit gab es nach Angaben der Universität nicht.
Wünschen Sie sich ein Comeback Guttenbergs?

 

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Wie aus dem mehr als 40-seitigen Bericht der Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" hervorgeht, wollte Guttenberg weder die Erwartungshaltung seiner Familie noch seines Doktorvaters enttäuschen. "Ich wollte mir eine Schwäche nicht eingestehen", wird er zitiert. All dies habe sich über Jahre in einer Situation abgespielt, in der die - durch die Übernahme neuer beruflicher Tätigkeiten und politischer Ämter entstandene - "vielfache Arbeitsbelastung" ihm teilweise über den Kopf gewachsen sei.
Die Hochschule hält das nicht für plausibel: "Die Kommission vermag nicht nachzuvollziehen, dass jemand, der über Jahre Quellen für seine Dissertation bearbeitet, derart in einen Zustand der Dauervergesslichkeit gerät, dass ihm die allerorten in seiner Arbeit nachweisbaren Falschangaben vollständig aus dem Bewusstsein geraten."
Der Vorsitzende der Kommission, Stephan Rixen, sagte, die Kommission sei kein Guttenberg-Tribunal. Sie wolle aber auch nichts weichspülen und reinwaschen. Fest stehe, dass über alle Teile der Arbeit Plagiate festgestellt worden seien. "Angesichts der Fülle der Einzelplagiate kann man nicht mehr von bloßen Bagatellverstößen sprechen", heißt es in dem Bericht. "Nach allen bekannten Erfahrungen des Wissenschaftsbetriebs hält es die Kommission für ausgeschlossen, dass jemand, der dauerhaft, wenngleich auch mit Unterbrechungen an seiner Dissertation arbeitet, insbesondere vergisst, dass weichenstellende Passagen seiner Arbeit, etwa die Einleitung seiner Dissertation, von anderen Autoren stammen."

Teil 2: Staatsanwaltschaft kündigt Bericht für Juni an

  • FTD.de, 11.05.2011
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