Wie aus dem mehr als 40-seitigen Bericht der Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" hervorgeht, wollte Guttenberg weder die Erwartungshaltung seiner Familie noch seines Doktorvaters enttäuschen. "Ich wollte mir eine Schwäche nicht eingestehen", wird er zitiert. All dies habe sich über Jahre in einer Situation abgespielt, in der die - durch die Übernahme neuer beruflicher Tätigkeiten und politischer Ämter entstandene - "vielfache Arbeitsbelastung" ihm teilweise über den Kopf gewachsen sei.
Die Hochschule hält das nicht für plausibel: "Die Kommission vermag nicht nachzuvollziehen, dass jemand, der über Jahre Quellen für seine Dissertation bearbeitet, derart in einen Zustand der Dauervergesslichkeit gerät, dass ihm die allerorten in seiner Arbeit nachweisbaren Falschangaben vollständig aus dem Bewusstsein geraten."
Der Vorsitzende der Kommission, Stephan Rixen, sagte, die Kommission sei kein Guttenberg-Tribunal. Sie wolle aber auch nichts weichspülen und reinwaschen. Fest stehe, dass über alle Teile der Arbeit Plagiate festgestellt worden seien. "Angesichts der Fülle der Einzelplagiate kann man nicht mehr von bloßen Bagatellverstößen sprechen", heißt es in dem Bericht. "Nach allen bekannten Erfahrungen des Wissenschaftsbetriebs hält es die Kommission für ausgeschlossen, dass jemand, der dauerhaft, wenngleich auch mit Unterbrechungen an seiner Dissertation arbeitet, insbesondere vergisst, dass weichenstellende Passagen seiner Arbeit, etwa die Einleitung seiner Dissertation, von anderen Autoren stammen."