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Merken   Drucken   05.07.2005, 17:25 Schriftgröße: AAA

Politikerliga: Erst der Kanzler und dann lange niemand

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in der vergangenen Woche die Schlagzeilen in den Medien beherrscht. Mit weitem Abstand folgen SPD-Chef Franz Müntefering und Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel.

von Kai Beller, Berlin
Die Kanzlerkandidaten in den Medien   Die Kanzlerkandidaten in den Medien
Insgesamt wurde Schröder 1272-mal von Agenturen, Zeitungen und Magazinen im Zusammenhang mit der Bundestagswahl genannt. Das ergab eine Erhebung des Informationsdienstleisters Factiva für FTD-Online unter 29 regionalen und überregionalen Tageszeitungen und Magazinen sowie neun Nachrichtenagenturen. Untersucht wurde der Zeitraum vom 27. Juni bis 3. Juli. Beherrschende Themen in dieser Woche waren die Diskussion um das SPD-Wahlmanifest und die Vertrauensfrage des Kanzlers.
Die Union schaffte es in diesem Zeitraum - zumindest nicht in der FTD - auf die Titelseite. Das erklärt, warum Merkel und CSU-Chef Edmund Stoiber im Ranking nur die Plätze drei und sechs belegen. Die Union sorgte vor allem mit ihrer Debatte über das Wahlprogramm für Nachrichtenstoff. Hauptthema war eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer nach einem Wahlsieg.
Parteichefin Merkel spielte aber auch in der Debatte über die Vertrauensfrage eine bedeutende Rolle. Ihre Rede wurde allgemein als unglücklich kritisiert, weil sie sich eine Reihe von Patzern und Versprechern erlaubte.
Politiker im Zusammenhang mit Bundestagswahl   Politiker im Zusammenhang mit Bundestagswahl
Aufregung um Lafontaine
Auf Platz vier des Rankings landete Oskar Lafontaine mit 236 Nennungen. Der ehemalige SPD-Chef steht seit seiner Ankündigung, für die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) in den Wahlkampf zu ziehen, fast täglich in der Presse. Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte er mit fragwürdigen Formulierungen, worauf ihm vorgewurfen wurde, er gehe ganz rechts auf Stimmenfang. So benutzte er für Gastarbeiter den Begriff "Fremdarbeiter". Lafontaine selber bestreitet, dass der Begriff von Nationalsozialisten geprägt worden sei.
Hinter Lafontaine auf Platz fünf rangiert der erste Grünen-Politiker mit 233 Nennungen. Außenminister Joschka Fischer eröffnete die Woche mit einem großen Interview in der "taz". Dort kündigte er an, auch für den Fall einer Wahlniederlage als Oppositionsführer zur Verfügung zu stehen. Im Bundestag stellte er bei der Debatte über die Vertrauensabstimmung klar, dass er bei der Neuwahl auf Sieg spielt. Mit seiner kämpferischen Rede riss er die Abgeordneten von SPD und Grünen von den Sitzen. Das Presseecho war entsprechend groß.
Hinter Fischer reihten sich Stoiber und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (178 Nennungen) ein. Clement war wegen des Wahlmanifestes ein viel gefragter Politiker. Er gilt als Gegner der so genannten Reichensteuer, die nun Bestandteil des Programms ist. Außerdem wurde er im Zusammenhang mit der Zwischenbilanz der Arbeitsmarktreform und den aktuellen Arbeitsmarktdaten häufig zitiert.
Erst auf Platz acht reiht sich FDP-Chef Guido Westerwelle mit 113 Nennungen ein. Die hintere Platzierung könnte einen Hinweis darauf liefern, dass die Liberalen Schwierigkeiten haben, im Wahlkampf eigene Themen zu setzen. In der vergangenen Woche waren sie hauptsächlich damit beschäftigt, sich von den Steuerplänen der Union zu distanzieren.
Mehr Informationen über Factiva unter www.factiva.de
  • FTD.de, 05.07.2005
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