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Merken   Drucken   12.07.2005, 12:32 Schriftgröße: AAA

Politikerliga: Merkel kämpft sich ran

Die Medien sehen genauer auf Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel nach der Debatte um die Vertrauensfrage, wie unser Medienvergleich ergibt. Als Schreckgespenst für die anderen Parteien erfreut sich Oskar Lafontaine großer Popularität. von Kai Beller, Berlin
Politiker im Zusammenhang mit der Bundestagswahl, 04.07. bis ...   Politiker im Zusammenhang mit der Bundestagswahl, 04.07. bis 10.07.2005
Lafontaine verbesserte sich in der Politikerliga gegenüber der Vorwoche um einen Platz auf Rang drei. Wie die Erhebung des Informationsdienstleisters Factiva für FTD-Online unter 29 regionalen und überregionalen Tageszeitungen und Magazinen sowie neun Nachrichtendiensten von Agenturen ergab, wurde Lafontaine in der Woche vom 4. bis 10. Juli insgesamt 323-mal genannt.
Der Ex-SPD-Chef stand beim Parteitag der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) und durch seinen Besuch der PDS-Zentrale in Berlin im Zentrum des Interesses. Außerdem geben sich vor allem SPD und Grüne alle Mühe, Lafontaine als linken Populisten mit rechten Sprüchen abzuqualifizieren.
Union überholt SPD
Schröder und Merkel im direkten Vergleich   Schröder und Merkel im direkten Vergleich
Auf den beiden vorderen Rängen gab es keine Veränderungen, allerdings verringerte sich der Abstand zwischen Kanzler Gerhard Schröder und Herausforderin Merkel erheblich. Schröder kam auf 697 Nennungen, Merkel auf 512. Während die Kanzlerkandidatin vor dem Hintergrund der Programmdebatte in ihrer Partei deutlich zulegte, wurde der Amtsinhaber in den Medien nur noch halb so oft genannt. Immerhin bescherte ihm die Vorstellung des Wahlmanifestes seiner Partei noch einen Vorsprung. Beim Vergleich der Parteien überholte die Union jedoch die SPD.
SPD-Chef Franz Müntefering fiel dagegen mit nur noch 279 Nennungen von Platz zwei auf fünf zurück. Auch bei ihm ist eine Halbierung gegenüber der Vorwoche feststellbar. Merkel, Lafontaine und Stoiber zogen an ihm vorbei. Die Union produzierte vor allem wegen der Debatte um eine Mehrwertsteuererhöhung Schlagzeilen. Fast täglich war die Mehrwertsteuer Thema in Zeitungen, Zeitschriften und Agenturen.
Grünen-Spitzenkandidat Joschka Fischer fiel nach seiner furiosen Rede bei der Debatte um die Vertrauensfrage im Bundestag ein wenig ab. Seine Name wurde nur noch 193-mal in den Medien erwähnt. Immerhin kann er damit FDP-Chef Guido Westerwelle deutlich auf Distanz halten, der mit 128 Nennungen ein leichtes Plus verbucht. Westerwelle und auch FDP-Generalsekretär Dirk Niebel (42 Nennungen) mischten vor allem in der Mehrwertsteuer-Debatte mit. Die Liberalen versuchen sich durch ein Nein zur Anhebung vom Wunschpartner CDU/CSU zu distanzieren.
Parteien in den Medien   Parteien in den Medien
Gysi hält sich in den Top Ten
Zweiter Spitzenmann der geplanten Linkspartei unter den Top Ten ist Gregor Gysi. Der prominente PDS-Politiker rückte sogar von Platz zehn auf acht vor, ohne eigene Akzente gesetzt zu haben. Doch häufig werden Lafontaine und Gysi in einem Atemzug genannt, weil sie die Fraktion des Linksbündnisses im Bundestag anführen sollen. Die Gegner versuchen Gysi zudem mit dem gleichen negativen Image wie Lafontaine zu behaften. Wenn es kritisch wird, machen sie sich aus dem Staub, heißt es mit Blick auf Gysis Rücktritt als Berliner Wirtschaftssenator und Lafontaines plötzlichem Abgang als Finanzminister.
Nicht mehr auf den ersten zehn Plätzen sind Grünen-Chef Reinhard Bütikofer und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement. Bütikofer wurde auf Rang 17 durchgereicht, dafür machte aber Co-Chefin Claudia Roth Plätze gut und reihte sich auf Rang 12 ein.
Neu in den Top Ten sind Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und Finanzminister Hans Eichel. Schmidt war mit den Themen Krankenkassen, Rente und Bürgerversicherung in den Medien vertreten, bei Eichel warf die mehrmals verschobene Vorlage des Haushaltsentwurfs für 2006 ihre Schatten voraus. Außerdem mischte der SPD-Politiker in der Debatte um die Steuerpolitik der Union mit.
Mehr Informationen über Factiva unter www.factiva.de
  • FTD.de, 12.07.2005
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