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Merken   Drucken   18.07.2005, 15:16 Schriftgröße: AAA

Politikerliga: Merkel überholt Schröder

Unionskanzlerkandidatin Angela Merkel hat erstmals den Kanzler in der Medienpräsenz geschlagen. Vor allem die Diskussion um die Mehrwertsteuererhöhung und das Wahlprogramm rückten sie ins Zentrum des Interesses. von Peter Kleinort, Hamburg
Politiker im Zusammenhang mit der Bundestagswahl   Politiker im Zusammenhang mit der Bundestagswahl
Die Plätze drei und vier im Ranking der meistgenannten Politiker haben Edmund Stoiber und Franz Müntefering inne. Stoiber verbesserte sich dabei um einen Platz, Müntefering rückte von Platz fünf vor. Das ergab die Erhebung des Informationsdienstleisters Factiva für FTD-Online unter 29 regionalen und überregionalen Tageszeitungen und Magazinen sowie neun Nachrichtendiensten von Agenturen.
Merkel wurde in der Woche vom 11. bis 17. Juli insgesamt 575-mal genannt, Schröder nur 446-mal. Somit hat sich das Bild der Vorwoche umgekehrt, als Schröder mit 697 Nennungen noch deutlich vor Merkel lag. Vor allem zwei Faktoren haben zur Trendwende beigetragen: Am 11. Juli präsentierten CDU und CSU ihr Wahlprogramm mit dem Kernpunkt einer Mehrwertsteuererhöhung zur Senkung der Lohnnebenkosten. Dieses Vorhaben - von Merkel und Stoiber im Laufe der Woche auch gegen Kritik aus den eigenen Reihen vehement verteidigt - beherrschte die innenpolitische Diskussion. Auch neue positive Umfragewerte für Merkel sorgen für häufige Nennungen in den Medien.
Oskar Lafontaine, der in der Vorwoche wegen der Diskussion um das neue Linksbündnis und seinen Besuch in der PDS-Parteizentrale auf Platz drei lag, rutschte auf den fünften Rang ab. In der Woche nach dem 11. Juli hielt er sich nämlich mit öffentlichen Äußerungen zurück, auch im Hinblick auf den Sonderparteitag der PDS am Sonntag, bei dem die umstrittene Namensänderung der Partei beschlossen wurde.
Union baut Vorsprung au
Die Kanzlerkandidaten in den Medien   Die Kanzlerkandidaten in den Medien
Beim Vergleich der Parteien festigte die Union ebenfalls ihren Vorsprung. Die Ursachen sind die gleichen, wie beim direkten Personenvergleich. Nach der Vorstellung des Wahlprogramms durch Merkel und Stoiber wurde vor allem die geplante Mehrwertsteuererhöhung in der Union diskutiert. Die Unions-Ministerpräsidenten drangen darauf, dass auch die Länder einen Teil der geplanten Mehreinnahmen bekommen. Fast täglich war die Mehrwertsteuer Thema in Zeitungen, Zeitschriften und Agenturen. Bei den potenziellen Koalitionspartnern kam es zu zum Teil erheblichen Veränderungen. Joschka Fischer fiel von Platz sechs auf Platz acht, Guido Westerwelle verbesserte sich bei den Mediennennungen von Platz sieben auf Platz sechs. Fischer wurde nur noch 130-mal genannt. Das sind gut 60 Nennungen weniger als in der Vorwoche, als die Außenpolitik noch unter dem Eindruck der Terroranschläge in London stand. Fischer versuchte danach, die Uno-Mitglieder von einem ständigen Sitz im Sicherheitsrat zu überzeugen.
Westerwelle dagegen legte von 128 auf 158 Nennungen zu. Auch hier war die Mehrwertsteuerdebatte und die Konjunkturpolitik der Grund. Die FDP vertritt hier sehr gegensätzliche Positionen zum Wunschpartner CDU/CSU. Außerdem positionierte sich der FDP-Vorsitzende bildungspolitisch nach der Vorstellung der neuen Pisa-Ergebnisse.
Gysi und Lafontaine stabil
Parteien im Zusammenhang mit der Bundestagswahl   Parteien im Zusammenhang mit der Bundestagswahl
Die beiden Aushängeschilder des Linksbündnisses aus PDS und WASG halten sich stabil unter den zehn meistgenannten Politikern. Lafontaine wird mit 184 Nennungen aber fast doppelt so oft erwähnt wie Gysi mit 92 Nennungen. Häufig werden Lafontaine und Gysi in einem Atemzug genannt, weil sie die Fraktion des Linksbündnisses im Bundestag anführen sollen.
Die Gegner versuchen zudem, Gysi mit dem gleichen negativen Image wie Lafontaine zu belegen. Beherrschend waren aber trotzdem die umstrittenen Äußerungen Lafontaines aus der Vorwoche. Da die neue Linkspartei in den Wählerumfragen stabil mit zweistelligen Prozentzahlen gesehen wird, dürfte die Ämterverteilung in der Fraktion nach der Wahl spannend werden.
Abgeschlagen sind dagegen die Regierungsmitglieder der rot-grünen Koalition. Ulla Schmidt, in der vergangenen Woche noch deutlich unter den ersten zehn Genannten, rutschte jetzt auf Platz 13 ab. Überholt wurde sie von Roland Koch, CDU-Generalsekretär Volker Kauder und seinem FDP-Pendant Dirk Niebel. Finanzminister Hans Eichel belegt als bestes Regierungsmitglied außer Schröder und Fischer Rang sieben - auch das eine Folge der Diskussion um Mehrwertsteuer und Haushaltsdefizit.
Mehr Informationen über Factiva unter www.factiva.de
  • FTD.de, 18.07.2005
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