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Merken   Drucken   25.07.2005, 15:23 Schriftgröße: AAA

Politikerliga: Merkel verliert Führungsposition

Der kurze Höhenflug der Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel ist vorerst in den Medien gestoppt. Sie musste ihren Spitzenplatz im Ranking der meistgenannten Politiker für Amtsinhaber Gerhard Schröder räumen. Auf den dritten Rang der Politikerliga arbeitete sich Oskar Lafontaine vor. von Jennifer Tiede, Hamburg
Die 30 meistgenannten Politiker   Die 30 meistgenannten Politiker
In ihrem Wahlkreis in Nordvorpommern warnte Merkel die Parteifreunde am Wochenende schon mal vor: Es sei gefährlich, den Machtwechsel in Berlin als gegeben anzusehen, sagte die CDU-Chefin und forderte einen engagierten Wahlkampf. Hinsichtlich Medienpräsenz schnitt die Herausforderin in der Woche vom 18. bis 24. Juli schlechter ab als der Kanzler, nachdem sie erst in der Vorwoche den ersten Rang der Politikerliga erobert hatte.
Für das Ranking von FTD-Online wertet der Informationsdienstleister Factiva 29 Tageszeitungen und Magazine sowie neun Nachrichtenagenturen aus. In der jüngsten Analyse kam Merkel auf 601 Nennungen in der Presse, Schröder dagegen auf 689. Der Kanzler legte vor allem im Zuge der Entscheidung von Bundespräsident Horst Köhler zu, den Bundestag aufzulösen und den Weg für Neuwahlen am 18. September freizumachen. Das Staatsoberhaupt entsprach der Bitte Schröders, der sich in seiner Politik im Bundestag nicht mehr hinreichend unterstützt sah.
Die Kanzlerkandidaten in den Medien   Die Kanzlerkandidaten in den Medien
Lafontaine klettert vom fünften auf den dritten Rang
Auf großes öffentliches Interesse stieß Schröder zudem mit seiner Haltung zum neuen Linksbündnis aus PDS und der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG). Deren Spitzenkandidaten Gregor Gysi (Rang fünf der Politikerliga) und Oskar Lafontaine (Rang drei) nannte der Kanzler kurz "Gesellen" oder "Figuren" und schloss eine politische Zusammenarbeit mit der Linkspartei aus - ebenso wie der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering, der vom vierten auf den sechsten Platz des Rankings abrutschte.
Meinungsforscher sehen die Linkspartei bundesweit momentan bei zehn bis zwölf Prozent. Im Osten pendelt die Verbindung gar um die 30 Prozent und ist dort stärkste Partei. Mit Blick auf diese Entwicklung kochte vorige Woche in der Union eine Debatte über einen "Sonderwahlkampf Ost" hoch, der Merkel neben dem Streit um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer in die Schlagzeilen brachte.
CDU-Politiker in den neuen Ländern warnten, ein ungebremster Aufschwung für die Linkspartei werde alle Aussichten auf eine schwarz-gelbe Koalition verhageln. Die Parteichefin sprach sich dennoch für nur einen Wahlkampf in Ost- und Westdeutschland aus - und wies der SPD die Verantwortung für den Stopp des Linksbündnisses zu.
Präsenz der Parteien   Präsenz der Parteien
Stoiber weniger präsent
Um einen Platz im Vergleich zur Vorwoche verschlechterte sich Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber. Er wurde nur noch 240 Mal in den Medien genannt und erreichte damit Rang vier. Der CSU-Politiker stimmte die Bürger auf harte Zeiten nach einem Sieg der Union bei der Bundestagswahl ein. "Es gibt im Moment nichts zu verteilen. Der Staat ist pleite, Deutschland ist ein Sanierungsfall", sagte Stoiber auf einer CSU-Delegiertenkonferenz in München.
Die Steuerdebatte wurde von Außenminister Joschka Fischer angeheizt. Der Grünen-Spitzenkandidat regte eine höhere Mehrwertsteuer auf Luxusartikel an und legte verschlechterte sich im Ranking um einen auf den neunten Rang. Während die FDP den Vorschlag als absurd zurückwies, plädierten CDU-Politiker für eine Senkung der Steuer für Kinderprodukte.
Bundesfinanzminister Hans Eichel warf der Union vor, mit der von ihr geplanten Mehrwertsteuererhöhung den Aufschwung in Deutschland abzuwürgen und fiel aus den Top Ten der Politikerliga auf den 13. Rang zurück. Aufsteiger waren dagegen FDP-Chef Guido Westerwelle, der von Rang sieben auf sechs vorrückte, Hessens Ministerpräsident Roland Koch (Platz acht) und CDU-Generalsekretär Volker Kauder (Platz zehn).
Was die Präsenz der Parteien in den Medien angeht, verlor die CDU/CSU leicht, behauptete aber ihren Spitzenplatz vor der SPD. Die Grünen wurden ein wenig häufiger in der Presse genannt als in der Vorwoche. Einen Sprung nach vorn machte das Linksbündnis, das sich vor die FDP setzte.
Mehr Informationen über Factiva unter www.factiva.de
  • FTD.de, 25.07.2005
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