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Merken   Drucken   01.08.2005, 12:19 Schriftgröße: AAA

Politikerliga: Reizfigur Lafontaine

Die Linkspartei etabliert sich in der medialen Aufmerksamkeit als größte Herausforderung für die Volksparteien CDU/CSU und SPD. Die beiden Spitzenpolitiker des Bündnisses, Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, nehmen einen festen Platz unter den Top-Ten der FTD-Politikerliga ein. von Kai Beller, Berlin
Politiker im Zusammenhang mit der Bundestagswahl   Politiker im Zusammenhang mit der Bundestagswahl
Lafontaine behauptete auch in der vergangenen Woche Platz drei hinter Bundeskanzler Gerhard Schröder und seiner Herausforderin Angela Merkel. Für das Ranking von FTD-Online wertet der Informationsdienstleister Factiva 29 Tageszeitungen und Magazine sowie neun Nachrichtenagenturen aus. Der ehemalige SPD-Chef sorgte nicht nur durch eigene Auftritte für Aufsehen, sondern geistert auch als Schreckgespenst für die Sozialdemokraten durch die Presse. Es vergeht kein Tag, an dem sich SPD-Spitzenpolitiker nicht von Lafontaine distanzieren.
In der Woche vom 25.7. bis zum 31.7. sorgte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit durch Spekulationen über eine mögliche Koalition mit der Linkspartei für Debatten in seiner Partei. "Je mehr wir auf Gysi oder Lafontaine eindreschen, umso mehr Aufmerksamkeit bekommen sie", sagte er der FTD. Dass er damit richtig liegt, zeigt ein Blick auf das Parteien-Ranking: Dort hat die Linkspartei in der vergangenen Woche zu den Grünen aufgeschlossen.
Neben Lafontaine hat sich auch Gregor Gysi unter den ersten zehn der Politikerliga festgesetzt. Zwar musste der populäre Ost-Linke seinen fünften Platz aus der Vorwoche wieder an SPD-Chef Franz Müntefering abgeben, er verwies jedoch die Spitzenvertreter der anderen kleineren Parteien erneut auf die Plätze. Gysi hatte eine andere Haltung gegenüber den Ostdeutschen sowie neue politische Ansätze für die neuen Länder gefordert.
Parteien im Zusammenhang mit der Bundestagswahl   Parteien im Zusammenhang mit der Bundestagswahl
Im Schatten der Linkspartei
Die Stärke der Linkspartei ist nicht nur ein Problem für die SPD, sondern auch für Grüne und FDP. Während das Linksbündnis in Umfragen auf bis zu 12 Prozent kommt, haben die anderen kleineren Parteien Probleme, sich Gehör zu verschaffen. FDP-Chef Guido Westerwelle muss sich hinter Gysi auf Rang sieben einreihen. Dabei haben die Liberalen in der vergangenen Woche ihr Wahlprogramm vorgestellt und sich dabei erneut als Steuersenkungspartei profiliert.
Doch das allein reicht offenbar nicht, um mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Im Parteienranking sind die Liberalen deutlich hinter die Grünen und die Linkspartei gerutscht. Sorgen um den Wiedereinzug in den Bundestag muss sich die Partei momentan aber nicht machen. In Umfragen liegt sie stabil bei sieben bis acht Prozent.
Ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde droht auch den Grünen nicht. Ihr Spitzenkandidat Joschka Fischer rangiert auf Platz neun der Politikerliga. Trotzdem hat sich die Zahl seiner Nennungen in den untersuchten Medien fast verdoppelt. Fischer hatte in einem Interview mit Aussagen über eine höhere Mehrwertsteuer auf Luxusartikel für Gesprächsstoff gesorgt und damit auch in den eigenen Reihen Widerspruch geerntet.
Viel Arbeit für Ulla Schmidt
Zum ersten Mal in den Top Ten der Politikerliga tauchte Gesundheits- und Sozialministerin Ulla Schmidt auf. Sie hatte in der vergangenen Woche viel zu tun: Zuerst warb sie zusammen mit ihren Kabinettskolleginnen von der SPD für eine Fortsetzung von Rot-Grün, dann war sie wegen eines Engpasses in der Rentenkasse gefragt und schließlich mischte sie noch im Streit um ausufernde Arzneikosten mit.
Die Kanzlerkandidaten in den Medien   Die Kanzlerkandidaten in den Medien
Gerade noch den Sprung unter die ersten Zehn schaffte Wirtschaftsminister Wolfgang Clement. Der SPD-Politiker war vor allem in Zusammenhang mit den jüngsten Arbeitsmarktdaten gefragt. Clement und Schmidt verdrängten die CDU-Politiker Roland Koch und Volker Kauder aus den Top-Ten.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass der Wahlkampf eine Verschnaufpause einlegt: Schröder reichten 450 Nennungen zu Platz eins, Merkel kam mit 406 Nennungen auf den zweiten Rang. Das sind die niedrigsten Werte für die beiden Spitzenränge seit Anfang Juli. Nur in der vorvergangenen Woche wurden für Schröder noch niedrigere Werte gemessen. Damals rutschte der Kanzler hinter Merkel auf Platz zwei.
Mehr Informationen über Factiva unter www.factiva.de
  • FTD.de, 01.08.2005
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