FTD.de » Politik » Deutschland » Deutsche Selbstblockade

Merken   Drucken   20.06.2010, 16:00 Schriftgröße: AAA

Politikverdrossenheit: Deutsche Selbstblockade  

Kommentar Machtversessene Politiker bringen die Bundesrepublik an den Rand der Handlungsunfähigkeit. Die Volksvertreter müssen sich endlich wieder mehr um ihre Wähler kümmern. von Thomas Schmoll 
Ob die Sparbemühungen von Hans Eichel oder die Agenda 2010: Was immer die rot-grüne Bundesregierung anpackte - die Opposition errichtete eine beinahe unüberwindbare Blockade. Bevorzugt ließ der von Union und FDP dominierte Bundesrat nur das passieren, was Gerhard Schröder  Ärger mit der SPD und der Bevölkerung einbrachte. Volker Kauder, damals CDU-Generalsekretär, behauptete kurz vor der Bundestagswahl 2005: "Die SPD plant den sozialen Kahlschlag bei Rentnern, Arbeitslosen und Kranken."
Ziel der Strategie: die Macht zu übernehmen. Sie ging auf, Merkel löste Schröder ab. Nun hat die Opposition die Chance, den Spieß umzudrehen und das schwarz-gelbe Sparprogramm und andere Gesetze zu boykottieren. Die Sozialdemokraten sprechen schon von einem "sozialen Kahlschlag", die Linke sieht einen "Anschlag auf den sozialen Frieden und die Demokratie". Der eigentliche Anschlag auf die Demokratie aber ist der schlechte Stil unserer Politiker.
Sie verlieren das Gemeinwohl aus den Augen; ihnen geht es vor allem um Machterhalt und -gewinn. Statt die gravierenden Probleme Deutschlands gemeinsam zu lösen, blockieren sie sich gegenseitig. Ein ums andere Mal erklären sie öffentlich, diese oder jene Herausforderung dürfe nicht auf kommende Generationen verschoben werden - und tun dann genau das. "Historische Mammutaufgaben" werden zu Elefantenbabys.
Reformen scheitern im eigenen Lager
Seit Union und FDP zusammen regieren, hat das destruktive Verhalten der politischen Elite eine neue Dimension erreicht. Die Grenzen zwischen Koalition und Opposition sind nicht mehr zu erkennen. Jeder einigermaßen ernst zu nehmende Reformansatz - ohnehin eine Seltenheit geworden - wird im eigenen Lager zerredet und blockiert, noch ehe er in Gesetzesform gegossen ist. Die Akteure im Regierungslager beschimpfen sich gegenseitig wahlweise als Wildsau, Gurkentruppe oder Rumpelstilzchen. Es ist absurd, dass Politiker, die sich noch vor einem Dreivierteljahr als Wunschpartner verstanden haben, nicht an einem Strang ziehen, obwohl sie jahrelang genau auf diese Konstellation hingearbeitet haben.

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  • FTD.de, 20.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 28.10.2010 23:24:46 Uhr   Stefan Gruben: Untergang Deutschlands

    Das die Macht in einer Hand gefährlich ist,hat uns die Geschichte gelehrt,doch die Macht in zu vielen Händen ist auch nicht besser.Wer sind denn die da oben,doch nur von uns gewälte Vertreter,die systematisch versuchen,uns den Boden unter den Füssen weg zu ziehen.Täglich lassen die sich neue Steuern und Abgaben einfallen,die der kleine Mann bezahlen soll.Die oberen Zehntausend und die Lobbyisten werden dabei geschohnt.Es fängt doch schon im kleinen an:Wer trägt denn die Firmen und Unternehmen?Doch der kleine Arbeiter!Und jetzt soll der für seine eigene Gesundheit und den Profit der Arbeitgeber auch noch die Kosten im Gesundheitswesen allein weiter tragen?Das ist eine Ohrfeige für jeden,der glaubt,durch Arbeit SEINEN Lebensunterhalt zu finanzieren.Die Staatsverschuldung steigt Tag für Tag und dennoch werden den Reichen immer mehr Zugeständnisse gemacht.Wo bleibt da die Gerechtigkeit und vorallem die DEMOKRATIE?Ich kann nur sagen:"Armes Deutschland" Irgend wann ist das Portemoneie leer und dann?Die Sicherheit und Beständigkeit eines Staates sollten ALLE tragen.Nur weiter so Frau Merkel und Co und Deutschland wird bald am Ende der Liste der Entwicklungsländer stehen.

  • 22.06.2010 13:26:16 Uhr   Stephan Becker: Hier muss endlich was passieren!!!!
  • 21.06.2010 14:02:54 Uhr   owied: Volksentscheid als Opposition
  • 21.06.2010 12:30:14 Uhr   Lynn Gogolin: Volksabstimmung?
  • 20.06.2010 21:45:50 Uhr   fokus: Politikverdrossenheit
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