Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ über einen Regierungssprecher mitteilen, dass sie weitere Erklärungen des Staatsoberhaupts erwarte. Die Kanzlerin habe volles Vertrauen darin, dass der Bundespräsident alle anstehenden Fragen umfassend beantworten werde, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter. Er bekräftigte, dass Merkel die Arbeit des Präsidenten außerordentlich schätze. Daran habe sich nichts geändert.
Die Kanzlerin hatte Wulff bereits vor Weihnachten ihr Vertrauen ausgesprochen. In der Union gibt es aber massive Verärgerung über das Krisenmanagement des Präsidenten. Rücktrittsforderungen gibt es jedoch kaum. Eine erneute Präsidentenwahl wird als größeres Risiko eingeschätzt als der Verbleib des angeschlagenen Amtsinhabers.
Nach Informationen der ARD will Wulff nicht zurücktreten. Das meldete das ARD-Morgenmagazin unter Berufung auf zuverlässige Quellen in der Umgebung des Staatsoberhauptes. Der Bundespräsident war am Morgen aus dem Weihnachtsurlaub in seinen Amtssitz in Berlin zurückgekehrt. Seinen ersten öffentlichen Termin im neuen Jahr wird er am 6. Januar mit dem Empfang der Sternsinger in seinem Amt wahrnehmen.
Der Ruf nach einer erneuten Stellungnahme des Präsidenten wurde in den letzten Tagen immer lauter. Der Fraktionschef der FDP im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, drängte das Staatsoberhaupt erneut zu einer raschen Erklärung in eigener Sache: "Herr Wulff hat nicht mehr viel Zeit für eine Stellungnahme zu den neuen Vorwürfen. Wir reden nicht über Wochen, sondern über wenige Tage, die ihm noch bleiben", sagte Kubicki der 'Passauer Neuen Presse'.