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Merken   Drucken   28.11.2012, 18:25 Schriftgröße: AAA

Private Altersvorsorge: Deutschen vergeht die Lust aufs Riestern

Die Bereitschaft der Deutschen, sich um ihre Altersvorsorge selbst zu kümmern, sinkt. Während vergangenes Jahr noch eine Million neue Riesterverträge abgeschlossen wurden, waren es im ersten Halbjahr 2012 erst 200.000.
Die Bereitschaft der Deutschen, sich um ihre Altersvorsorge selbst zu kümmern, sinkt. Während vergangenes Jahr noch eine Million neue Riesterverträge abgeschlossen wurden, waren es im ersten Halbjahr 2012 erst 200.000.

Die Bereitschaft der Deutschen zum Abschluss einer zusätzlichen privaten oder betrieblichen Altersvorsorge sinkt. Laut dem am Mittwoch vom Kabinett verabschiedeten Alterssicherungsbericht stieg die Zahl der Anwartschaften auf eine Betriebsrente zwischen 2009 und 2011 nur noch um 830.000 auf 19,6 Millionen. In den vier Jahren zuvor hatte es noch eine Zunahme um fast vier Millionen gegeben. Zudem wurden im ersten Halbjahr 2012 nur noch rund 200.000 neue Riester-Verträge abgeschlossen, wodurch sich deren Zahl auf 15,6 Millionen erhöhte. Zuletzt war stets eine Million Neuabschlüsse pro Jahr verzeichnet worden.

Die Gründe für den Rückgang liegen nach Ansicht der Regierung in der Finanzmarkt- und Schuldenkrise. Diese habe zu einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber kapitalgedeckten Altersvorsorgesystemen geführt.

Insbesondere Bezieher niedriger Einkommen sorgten zu wenig zusätzlich fürs Alter vor, beklagt die Regierung. Rund 42 Prozent der Geringverdiener und damit 1,8 Millionen Beschäftigte mit einem Bruttolohn von weniger als 1500 Euro pro Monat hätten keine private oder betriebliche Vorsorge. Gut zwei Drittel davon seien Frauen. Dem Bericht zufolge haben Einkommen aus der gesetzlichen Rentenversicherung für Senioren die größte Bedeutung. Zusammen mit anderen Einkommen erreichten Ehepaare im Jahr 2011 ein durchschnittliches Netto-Gesamteinkommen in Höhe von 2433 Euro im Monat, alleinstehende Männer 1560 Euro und alleinstehende Frauen 1292 Euro.

Verabschiedet wurde vom Kabinett auch der Rentenversicherungsbericht. Darin macht die Regierung den mehr als 20 Millionen Rentnern Hoffnung auf deutlich höhere Einnahmen: Den Prognosen zufolge werden die Bezüge bis zum Jahr 2026 um rund 36 Prozent ansteigen. Das wären gut zwei Prozent jährlich. In den nächsten vier Jahren können die Senioren mit noch höheren Zuwächsen rechnen. So werden den Prognosen zufolge die Bezüge bis 2016 im Osten um 11,01 Prozent und im Westen um 8,27 Prozent steigen. Gewerkschaften, Sozialverbände und Opposition hatten die Zahlen als zu optimistisch kritisiert und die Regierung vor unhaltbaren Versprechungen gewarnt.

Festgelegt wird die Höhe der Rentenanpassung von der Regierung stets im Frühjahr, wenn die Zahlen zur Lohnentwicklung vorliegen. In diesem Jahr waren die Altersgelder um 2,18 Prozent im Westen und um 2,26 Prozent im Osten gestiegen.

Im Jahr 2011 betrug die Rente für Männer den Angaben zufolge im Schnitt 977 Euro pro Monat. Der Wert fiel in den neuen Ländern mit 1010 Euro etwas höher als in den alten Ländern (969 Euro). Für Frauen wurden im Durchschnitt 549 Euro gezahlt - 707 Euro in Ost- und 505 Euro in Westdeutschland. Dem Bericht zufolge beläuft sich die Rente eines Durchschnittsverdieners derzeit auf 49,6 Prozent des Nettolohns, allerdings vor Steuern. Das Niveau werde auf 48 Prozent im Jahr 2020 und auf 46 Prozent im Jahr 2026 sinken.

Laut einer Allensbach-Studie im Auftrag des Versicherers Generali empfinden 63 Prozent der 65- bis 85-Jährigen ihre materielle Lebenssituation als gut bis sehr gut. Im Schnitt fühlten sich diese zehn Jahre jünger als es ihrem tatsächlichen Lebensalter entspricht. Familie, Hobbys und ehrenamtliches Engagement spielten für sie eine große Rolle.

  • Reuters, 28.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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