Aber diese Tage werden seltener. "Je mehr Erneuerbare in den Markt drängen, desto stärker sinkt der Börsenpreis", sagt Thorsten Lenck von der Beratungsfirma Energy Brainpool. Der Zuwachs bei Wind und Sonne geht als Erstes zulasten der teuren Gas- und Steinkohlekraftwerke. Wenn dann nur noch die billigen Kraftwerke produzieren, drückt das den Strompreis.
Doch was für die Stromkunden erfreulich klingt, hat eine potenziell fatale Nebenwirkung: Besonders für neue Gaskraftwerke, die als flexible Ergänzung zum schwankenden Ökostrom gebraucht werden, ist der Strompreis der Zukunft viel zu niedrig. Investoren können nicht damit rechnen, ihre Kosten jemals zu decken, und halten sich zurück. Ökonomen sprechen von einem "Missing Money"-Problem.
An der Leipziger Strombörse brüten sie derzeit über möglichen Lösungen. "Es wird mit irgendeinem Marktmodell funktionieren", sagt Wragge. Aber wie genau, das weiß auch er nicht: "Es ist eine wilde Zeit momentan." Auch das Wirtschaftsministerium lässt eine Studie erstellen, der Branchenverband BDEW arbeitet an einem gemeinsamen Vorschlag an die Politik. Im Zentrum der Debatte stehen sogenannte Kapazitätsmärkte. Demnach sollen neue Kraftwerke bereits für das Bereitstehen bezahlt werden. Der Bundesverband Neuer Energieanbieter hat gerade ein Modell vorgelegt, nach dem die neuen Kraftwerkszuschüsse per Auktion an den günstigsten Anbieter vergeben würden.
Die Regierung reagiert skeptisch. Das Wirtschaftsministerium fürchtet planwirtschaftliche Auswüchse, und das Umweltressort glaubt nicht, dass das Missing-Money-Problem wirklich existiert. Von selbst verschwinden würde es, wenn der Börsenpreis nach der Energiewende tatsächlich steigt, wie so oft prognostiziert wird. Doch danach sieht es nicht aus. Direkt neben Raum drei, schräg gegenüber vom Kopierer, wird der Strom für die Jahre 2012 bis 2017 gehandelt: Der Preis für 2017 liegt bei 61,80 Euro - und damit kaum höher als heute.