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Merken   Drucken   15.12.2008, 11:58 Schriftgröße: AAA

Prognostiker 2008: Gustav Horn - Pessimist zur rechten Zeit

Kaum ein Experte ahnte vor einem Jahr, wie sehr sich die Konjunktur Ende 2008 verschlechtern würde. Immerhin: Einige von ihnen lagen ziemlich nah dran. Die FTD hat die Vorhersagen von gut 50 Prognostikern miteinander verglichen. von Thomas Fricke, Charlotte Bartels und Hubert Beyerle (Berlin)
Ein Ölpreis von zeitweise 150 $ je Barrel, der Euro bei fast 1,60 $ und eine Finanzkrise, die sich im September dramatisch zugespitzt hat - all das war vor einem Jahr kaum vorhersehbar. Trotzdem schnitten die Auguren auf den ersten Blick gar nicht so schlecht ab, Deutschlands Wirtschaftswachstum für das Gesamtjahr 2008 vorherzusagen. Denn das war noch stark vom guten Start ins Jahr geprägt - und dürfte immerhin noch einmal 1,5 bis 1,6 Prozent erreicht haben.
Der Haken: Die meisten Prognostiker rechneten nicht mit einem regelrechten Abschwung, sondern lediglich mit einer kurzfristigen Abschwächung im ersten Halbjahr 2008. Spätestens zum Jahresende würde sich die Lage dann bereits wieder bessern, so die meistgeäußerte Erwartung. Dass es am Ende genau umgekehrt kommen würde, weil ein dramatisch gestiegener Ölpreis, die starke Euro-Aufwertung und eine ungeahnte Zuspitzung der Finanzkrise dazukamen, damit rechneten nur wenige - am nächsten dran lag am Ende daher einer der größten Skeptiker des bisherigen Aufschwungs: Gustav Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und einer der fünf Ökonomen, die am Sonntag beim Konjunkturgipfel im Kanzleramt dabei waren.
Ranking: Die Prognostiker des Jahres 2008   Ranking: Die Prognostiker des Jahres 2008
Als Einziger unter den mehr als 50 Experten, die in der diesjährigen Auswertung der Financial Times Deutschland analysiert wurden, prognostizierte Horn im Dezember 2007 ein Wachstum für 2008 von lediglich 1,5 Prozent. Das ist die Rate, die nach den jüngsten Institutsschätzungen auch tatsächlich herauskommen dürfte. Als einer der wenigen lag er auch richtig mit seiner Vermutung, dass der von fast allen erwartete Konsumschub dieses Jahr ausbleiben werde und die Turbulenzen an den Finanzmärkten dem deutschen Aufschwung ein Ende setzen würden.
Die meisten Auguren hatten 2008 für den Konsum Wachstumsraten von 1,4 und mehr erwartet, Horn nur 0,8 Prozent. "Wir sehen kaum Chancen, dass der private Konsum in Deutschland im kommenden Jahr zur Konjunkturstütze wird", so Horn im Dezember 2007. Den Grund sah er damals unter anderem in den hohen Energiepreisen, die die Kaufkraft schmälern und daher den Konsum bremsen würden.
Gustav A. Horn   Gustav A. Horn
Selbst Horn war damit noch etwas zu optimistisch: Die Deutschen dürften ihre Konsumausgaben dieses Jahr real sogar noch gesenkt haben. Die Institute RWI und Ifo gehen derzeit von minus 0,1 Prozent aus, die Bundesbank sogar von minus 0,4 Prozent.
Außerdem warnte Horn Ende vergangenen Jahres, dass die Finanzkrise noch lange nicht überstanden sei. Sie werde sich "in steigenden Wellen global ausbreiten, auf die Realwirtschaft übergreifen und die Weltkonjunktur belasten", schrieb er im Dezember 2007.

Teil 2: 2008 ein Jahr für Pessimisten

  • Aus der FTD vom 15.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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