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Merken   Drucken   06.08.2009, 15:11 Schriftgröße: AAA

Prozessauftakt: Gericht schlägt HRE-Anlegern Vergleich vor  

Einst war sie die größte deutsche Immobilienbank, jetzt drohen dem verstaatlichten Geldinstitut Hypo Real Estate Regressforderungen in Rekordhöhe. Der Kompromisswunsch des Vorsitzenden Richters könnte den Steuerzahler teuer zu stehen kommen.
Der bislang größte Prozess um Schadenersatzforderungen gegen die Immobilienbank Hypo Real Estate  (HRE) hat am Donnerstag vor dem Landgericht München begonnen. Mehrere Kapitalanlagefonds forderten vor der 22. Zivilkammer insgesamt rund 320 Mio. Euro Schadenersatz, weil das Unternehmen sie in der Krise nicht richtig über die Geschäftslage informiert habe. Durch den rasanten Absturz der früher im Dax notierten Aktie sei ihnen der Schaden entstanden.
Das Gericht schlug einen Kompromiss vor: Je nach Zeitpunkt der Aktienkäufe könnte die HRE bei einem Vergleich 10 bis 100 Prozent des entstandenen Schadens zahlen, sagte der Vorsitzende Richter Matthias Ruderisch. Allerdings könne dies nur für den Zeitraum zwischen Ende November 2007 und Mitte Januar 2008 gelten, in dem die Firma möglicherweise schon Kenntnis von Belastungen durch die Finanzkrise hatte.
Insgesamt sind derzeit mehr als 50 Klagen gegen die inzwischen verstaatlichte HRE am Landgericht München anhängig. Mit Entscheidungen ist nach Angaben des Gerichts aber frühestens im Herbst zu rechnen.
Einem Anleger hatte das Gericht bereits in einem Prozess im Juni rund 4000 Euro Schadenersatz zugesprochen, dagegen legte die HRE allerdings Revision ein. Auch in einem weiteren Verfahren vor knapp zwei Wochen sahen die Richter gewisse Erfolgschancen für die Klagen, sofern sie Aktienkäufe zwischen Ende November 2007 und Mitte Januar 2008 betreffen.
In dieser Zeit wusste das damalige Management nach Einschätzung der Richter möglicherweise schon von Belastungen durch die US-Finanzkrise, die Anleger aber erst am 15. Januar 2008 in einer Ad-Hoc-Meldung über Abschreibungen in Höhe von 390 Mio. Euro informiert und damit die Aktie auf Talfahrt geschickt.
Rückschlüsse auf andere Verfahren lässt das nach Angaben des Gerichts aber nicht zu. Da den Klagen unterschiedliche Sachverhalte zugrunde lägen, könne eine generelle Aussage zu den einzelnen Verfahren derzeit nicht getroffen werden. In vier Verfahren haben die Anleger ihre Klagen nach Angaben der Hypo Real Estate außerdem selbst zurückgenommen.

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