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Merken   Drucken   18.01.2011, 19:59 Schriftgröße: AAA

Querelen um den Haushalt: Riskante Strategie in NRW

Leitartikel Das Verfassungsgericht hat den Nachtragshaushalt der rot-grünen Minderheitsregierung gestoppt. Für die wird es jetzt noch schwerer, als es ohnehin schon ist: Sie muss wohl eine Kehrtwende bei Kernthemen einleiten.
Es ist absurd, wenn CDU und FDP in Nordrhein-Westfalen von einem Schlag ins Gesicht der rot-grünen Minderheitsregierung sprechen. Im Nachtragshaushalt für das vergangene Jahr, den die Münsteraner Richter am Dienstag vorläufig gestoppt haben, liegt die Kreditaufnahme vor allem deshalb so hoch, weil er milliardenschwere Rückstellungen für die marode WestLB enthält.
Sie stammen aus einer Zeit, als der frühere CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers noch die Regierung in Düsseldorf führte - und riskante Geschäfte seiner Landesbank duldete. Die Verschuldung nun SPD und Grünen in die Schuhe schieben zu wollen ist hochriskant für CDU und FDP.
Mit der einstweiligen Verfügung des Verfassungsgerichtshofs wird die Arbeit der rot-grünen Landesregierung noch schwerer, als sie ohnehin schon ist: Sie darf keine weiteren Kredite auf Basis des Nachtragshaushalts aufnehmen.
Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ...   Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD). (Archivbild)
Noch schwieriger wird die Lage, falls das Landesverfassungsgericht in den nächsten Monaten den Haushalt 2010 endgültig für verfassungswidrig erklären sollte. Dann müssten SPD und Grüne einen neuen Nachtragshaushalt für 2010 und voraussichtlich auch einen völlig überarbeiteten Haushalt 2011 vorlegen - politisch ein äußerst heikles Unterfangen für eine Regierung ohne eigene Mehrheit.
Rot-Grün in NRW müsste in diesem Fall eines oder mehrere zentrale, aber teure Wahlversprechen brechen, beispielsweise die Zusage, die Studiengebühren abzuschaffen, oder die kostenfreien Kitaplätze. Beides würde die Glaubwürdigkeit, um die SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft seit Monaten kämpft, erheblich ankratzen.
Vorausschauend wäre es daher, die absehbare Kehrtwende bei einem dieser Themen jetzt schon einzuleiten. Kippen könnten SPD und Grüne die Abschaffung der Studiengebühren. Hier ließen sich etliche Millionen einsparen - Geld, das den NRW-Haushalt spürbar entlasten würde.
Die Ausgaben für kostenfreie Kitaplätze dagegen können in einem weiteren Sinn durchaus als Investition betrachtet werden. Der Ansatz, der zwar kurzfristig mit Mehrkosten verbunden ist, stärkt auf lange Sicht den Wirtschaftsstandort NRW. Falls die Verfassungsrichter im Frühjahr den Haushalt endgültig kippen, wäre das ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik - und könnte zum Bumerang für CDU und FDP werden, die gegen den Haushalt geklagt hatten.
NRW-CDU-Chef Norbert Röttgen weiß das. Deshalb verzichtete er gestern auch darauf, umgehend Neuwahlen zu fordern - gewahr, dass die rot-grüne Minderheitsregierung es dabei wohl zu einer satten Mehrheit bringen würde. Allerdings lehnte es Röttgen mit Verweis auf seine Rolle als Oppositionsführer ab, an einer Korrektur des Nachtragshaushalts mitzuarbeiten. Das sollte er vor allem überdenken.
  • Aus der FTD vom 19.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 19.01.2011 13:46:22 Uhr   Momo: Zu: Michael

    Sie schreiben: "Frau Kraft und Ihre linken Gefolgen haben skrupelose Versprechungen an Studenten und Bürger aller Richtungen gemacht..."
    Ihnen sind Versprechungen in Richtung Hotelbranche und Atomlobby lieber als solche an "Bürger aller Richtungen" und Studenten, gell?

  • 19.01.2011 13:41:20 Uhr   Momo: Zu: Hermann H.
  • 19.01.2011 13:22:05 Uhr   Rumheuler: Jetzt auch noch der CDU den schwarzen Peter z...
  • 19.01.2011 08:24:31 Uhr   Hermann H.: Falsche Einschätzung!
  • 18.01.2011 21:56:26 Uhr   Michael: fatale Berichterstattung! Tot ist der Journal...
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