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Merken   Drucken   05.04.2006, 22:33 Schriftgröße: AAA

Ranking: Deutschland bei Existenzgründungen abgeschlagen

Deutschland belegt bei Existenzgründungen im internationalen Vergleich nur einen Platz im hinteren Mittelfeld. Angst, Pessimismus und schlechte Finanzierungsbedingungen halten die Deutschen vor dem Schritt in die Selbstständigkeit ab. von Kai Beller, Berlin
Anteil werdender und gerade gegründeter Unternehmen   Anteil werdender und gerade gegründeter Unternehmen
Deutschland landete in der Existenzgründer-Studie "Global Entrepreneurship Monitor (GEM)" auf Platz 23 von 35 Ländern. Nach der vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Universität Hannover und der KfW-Bankengruppe am Mittwoch vorgestellten Untersuchung ist Deutschland im Vergleich zum Vorjahr in vielen Kategorien sogar weiter abgerutscht. Die Studie analysiert jährlich das Klima für Existenzgründer in 35 Ländern. Rund 100.000 Bürger und 1300 Fachleute wurden dazu befragt.
Die vorderen Plätze des Rankings belegten Entwicklungs- und Schwellenländer, die nach Auffassung der Experten aber nur schwer mit Deutschland vergleichbar seien. Aber auch im Vergleich mit anderen Industriestaaten reichte es nur zu einem Platz im Mittelfeld.
Viele "Ich-AGs"
Damit stehen die Bedingungen für einen Gründerboom wie zuletzt Anfang und Ende der 90er Jahre in Deutschland nicht gut. Zwar stieg der Anteil der werdenden und neuen Gründungen erstmals seit Jahren wieder, doch sei dies in erster Linie auf die staatlich geförderte "Ich-AG" zurückzuführen. KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch machte vor allem die unzureichende Zahl "innovativer Gründungen, insbesondere in den wissens- und technologieintensiven Branchen", Sorge.
Das Verhältnis von aus der Not geborenen Existenzgründungen und so genannten Selbstverwirklichern sei in Deutschland überdurchschnittlich hoch, heißt es in der Studie. Wachstumsimpulse und Jobs versprechen sich die Experten aber in erster Linie vom klassischen Unternehmertyp, der eine Idee verwirklichen und ein hohes Einkommen erzielen wolle.
Bewertung der Rahmenbedingungen   Bewertung der Rahmenbedingungen
Bei den Rahmenbedingungen für Gründer schnitt Deutschland mit wenigen Ausnahmen schwach ab. Nur bei den öffentlichen Förderprogrammen landete Deutschland auf Rang vier. Bei den Finanzierungsbedingungen setzte sich der Abwärtstrend der vergangenen Jahre fort. Die Experten bemängeln, dass es an der Verfügbarkeit von Eigen- und Risikokapital hapert. Deutschland landete nur auf Platz 22, unter den Industriestaaten erzielten nur Slowenien und Spanien noch schlechtere Werte.
Neben diesen harten Faktoren machten die Autoren der Studie auch die Mentalität der Deutschen für das schlechte Gründungsklima verantwortlich. "Bei der Wertschätzung des Unternehmertums und der Bereitschaft zur Übernahme von Risiken haben wir in Deutschland noch Nachholbedarf", sagte IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei. Das Thema Unternehmertum und Selbstständigkeit müsste als Unterrichtsstoff bereits in der Schule behandelt werden.
Angst und Pessimismus seien weitere Faktoren, die den Schritt in die Selbstständigkeit erschwerten. Im Vergleich zu anderen Ländern würden die Chancen einer Gründung in Deutschland viel pessimistischer beurteilt, sagte Wirtschaftswissenschaftler Rolf Sternberg von der Universität Hannover. "Scheitern wird in Deutschland als Stigma betrachtet", sagte auch Walwei. Die Aussicht auf eine zweite Chance sei sehr gering.
  • FTD.de, 05.04.2006
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