Wegen des Verdachts der Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit durchsuchte die Polizei das Haus von Christian Wulffs Ex-Sprecher. Die Razzia bei Olaf Glaeseker erbrachte nur einen Anfangsverdacht.
Nach der Durchsuchung des Hauses von Olaf Glaeseker gibt es laut Einschätzung der Staatsanwaltschaft Hannover vorerst keinen dringenden Tatverdacht gegen den Ex-Sprecher von Bundespräsident Christian Wulff. "Was wir derzeit haben, ist ein Anfangsverdacht", hieß es am Freitag aus der Ermittlungsbehörde.
Glaeseker sei bei der Sicherstellung von Dokumenten und Computerdaten am Donnerstag in Wunstorf bei Hannover anwesend gewesen. Daher gebe es auch keine Notwendigkeit, einen Haftbefehl zu beantragen. Zunächst war unklar gewesen, wo sich Glaeseker während des überraschenden Zugriffs und in den Tagen zuvor aufgehalten hatte.
Wegen des Verdachts der Bestechung beziehungsweise Bestechlichkeit im Zusammenhang mit einer Veranstaltungsreihe hatten Beamte des niedersächsischen Landeskriminalamtes am Donnerstag Räume des ausrichtenden Veranstaltungsmanagers Manfred Schmidt und von Wulffs Ex-Sprecher durchsucht. Wulff hatte Glaeseker als Sprecher ins Präsidialamt mitgenommen, ihn vor Weihnachten mitten in der Kreditaffäre aber ohne Angabe von Gründen entlassen.
Die niedersächsische Staatskanzlei soll in Wulffs Regierungszeit als Ministerpräsident einem Zeitungsbericht zufolge doch aktiv in die Vorbereitung eines privaten Wirtschaftstreffens verwickelt gewesen sein. Zudem sei das Land über Leistungen eines Landesbetriebs am dritten Nord-Süd-Dialog 2009 sogar finanziell beteiligt gewesen, berichtet die Hannoversche "Neue Presse". Die Landesregierung hatte das bislang bestritten. Ein Regierungssprecher wollte auf Anfrage zunächst nicht Stellung nehmen und kündigte eine Prüfung des Berichts an.
Laut dem Zeitungsbericht habe Glaeseker vor dem dritten Nord-Süd-Dialog telefonisch um organisatorische Hilfe durch das Veranstaltungsmanagement der Medizinischen Hochschule Hannover gebeten, zitierte das Blatt den Sprecher der Einrichtung: "Als Landesbetrieb des Landes Niedersachsen sind wir der Bitte der Staatskanzlei natürlich gerne gefolgt."
44 Studierende hätten deshalb bei der Veranstaltung am 11. Dezember 2009 im Flughafen Hannover geholfen, unter anderem an der Garderobe. Nach Angaben der Zeitung soll die Hochschule der Staatskanzlei die Kosten von 5245 Euro vergeblich in Rechnung gestellt haben - die Staatskanzlei habe die Begleichung abgelehnt.
Nach früheren Presseberichten soll Veranstalter Schmidt bei der Veranstaltung im Dezember 2009 Gewinn gemacht haben, weil sich die Sponsorengelder auf 685.000 Euro summiert hätten, die Kosten aber nur auf 300.000 Euro betragen hätten.
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