Die Ermittler hatten am Donnerstag die Büros des Abgeordneten in Berlin und Karlsruhe sowie seine Wohnung durchsuchen lassen. Dabei habe sich "der Anfangsverdacht verstärkt", sagte Staatsanwalt Rüdiger Rehring. Konkreter wollte er sich aus ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern.
Der Politiker wies die Verdächtigungen zurück. Er könne die Vorwürfe nicht nachvollziehen, erklärte Tauss am Donnerstag. "Ich warte mit Gelassenheit ab." Mit den Ermittlungsbehörden werde er kooperieren.
Rehring warnte trotz der Funde vor voreiligen Schlüssen. Es könne durchaus sein, dass sich die Vorwürfe nicht erhärteten und er sich als "komplett unschuldig" herausstelle, sagte er. Für den Besitz des Materials könne es angesichts des Tätigkeitsfelds von Tauss "eine plausible Erklärung" geben.
Tauss ist seit 1994 im Bundestag und seit drei Jahren Generalsekretär seiner Partei in Baden-Württemberg. Der 55-Jährige hat sich besonders als Medienpolitiker profiliert und sich mit der Bekämpfung von Kinderpornografie im Internet beschäftigt. Zuletzt kritisierte er im Namen seiner Fraktion die Pläne der CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen, einschlägige Internetseiten durch Telekom-Unternehmen blockieren zu lassen. Die Maßnahme sei ein "politischer Schnellschuss" mit Blick auf den anstehenden Wahlkampf und "weder hilfreich noch angebracht", sagte der medienpolitische Sprecher. Der Zugang zu kriminellen Inhalten werde so nicht verhindert.
Wodurch die Ermittlungen gegen Tauss ausgelöst wurden, wollte der Staatsanwalt nicht näher ausführen. Nach einem Bericht des "Spiegel" soll er 23-mal Handykontakt per SMS und MMS mit einem Verdächtigen gehabt haben, gegen den die Staatsanwaltschaft Bremerhaven ermittelt. Möglicherweise war aber auch eine anonyme Anzeige der Auslöser.
Teil 2: Anonyme Anzeige schon vor zwei Monaten