Bosbach war wegen seines angekündigten "Neins" zur Ausweitung des Euro-Rettungsschirms von Kanzleramtsminister Pofalla mit den Worten beschimpft worden: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen." Pofalla entschuldigte sich via "Bild"-Zeitung bei seinem Parteikollegen. "Ich ärgere mich selbst sehr über das, was vorgefallen ist, und es tut mir außerordentlich leid", ließ er die Bevölkerung wissen.
Er sei "richtig verdattert" gewesen, sagt Bosbach im "Stern"-Gespräch. "Gesundheitsfördernd ist das alles nicht." Der seit 1994 im Bundestag sitzende CDU-Politiker erwägt, 2013 nicht mehr zu kandidieren. "Die Chancen stehen bestenfalls 50:50."
Im "Stern" spricht Bosbach von "übler Nachrede", weil ihm in den eigenen Reihen unterstellt worden sei, er habe aus Frust darüber gehandelt, dass er 2005 nicht Innenminister geworden sei. "Dass sich ein Politiker seinen Frust nach sechs Jahren auf Wiedervorlage legt, ist so was von abwegig."
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe nach einer Operation an seinem Krankenbett gestanden. "Das hat mich gerührt." Bosbach berichtete: "Wir duzen uns seit vielen Jahren. Deswegen überlegt man: Denkt sie jetzt, warum tut der mir das an?" Nach der Abstimmung hatten sich Merkel und Bosbach zu einem Gespräch im Kanzleramt verabredet. "Ich will nicht der Problembär, ein Störfall der Fraktion sein. Nur ein guter Kollege."
Im Deutschlandfunk sagte Bosbach zudem, entscheidend sei für ihn, wie der Kanzleramtsminister sich nach dem Streit verhalten habe: Pofalla habe sich entschuldigt und bedauert, dass Worte gefallen seien, die man normalerweise nicht sagt. "Bei mir bleibt weder politisch noch persönlich irgendetwas zurück." Auch sehe er keinen Grund für einen Rücktritt des Parteifreundes.