Spektakulärer Dekorpapier-Fall"Wenn ein Fall klar ist, der Colt noch raucht und die Beweise offensichtlich sind, dann ziehen wir den Fall schnell durch", heißt es beim Bundeskartellamt. Das funktioniert aber nur, wenn die Kartellanten kooperieren, etwa darauf verzichten, die meist umfangreichen Akten - über 100.000 Seiten sind in Kartellverfahren keine Seltenheit - vollständig einzusehen.
So geschehen im spektakulären Dekorpapier-Fall: Anfang November ließen Ermittler in Köln ein Kartell führender europäischer Hersteller von Dekorpapier auffliegen. Nur drei Monate nach der Razzia, gewissermaßen auf schnellstmöglichem Weg, ist das Verfahren abgeschlossen, 62 Mio. Euro Bußgeld wurden verhängt. Die Hersteller haben auf die rechtliche Auseinandersetzung verzichtet, dafür kommt ihnen die Behörde bei der Höhe des Bußgelds entgegen. Das kann ohne "Fast Track" schnell dreistellige Millionenhöhe erreichen.
Der Bescheid erging auch im Dekorpapier-Fall im gegenseitigen Einvernehmen - weil die Unternehmen die Vergehen zugaben und auf eine Anfechtung des Bescheids verzichteten. "Zur Behörde besteht ein Vertrauensverhältnis", sagt Hans-Joachim Hellmann, Kartellrechtsspezialist der Anwaltskanzlei Shearman & Sterling. "Sie arbeitet in diesen Dingen sehr seriös." Das sei von entscheidender Bedeutung - schließlich sei nirgends nachzulesen, nach welchen Kriterien die Behörde die Höhe der Bußgelder festlegt.