Die zivilrechtliche Unwirksamkeit des Vertrags sei nur ein Indiz gegen die steuerliche Abzugsfähigkeit, befanden die Finanzrichter. Ob das Paar dafür Werbungskosten geltend machen könne, hängt von allen Umständen des Einzelfalls ab. Umstände, die das Bundesfinanzministerium (BMF) nicht interessieren. Sind Darlehensverträge zwischen Verwandten der Form nach unwirksam, gibt es keinen Werbungskostenabzug - trotz Urteil. Entsprechende Order kam im April aus Berlin. Basta.
Dieses Jahr sind die Rebellen im Hause Steinbrück besonders aktiv: Mittlerweile sind elf Nichtanwendungserlasse ergangen, bis Ende des Jahres rechnet BFH-Präsident Wolfgang Spindler mit 15 Fällen, in denen die Behörden die Rechtsprechung seines Hauses beiseite schieben. 2004 gab es zwei Fälle, in denen ein Urteil nicht über den Einzelfall hinaus angewendet werden sollte.
"Die Erlasse werden in diesem Jahr inflationär verwendet", sagt FDP-Politiker Volker Wissing. Der frühere Richter, der für seine Partei im Finanzausschuss des Bundestags sitzt, hält das für eine "Zumutung für Bürger und Justiz." Die Ignoranz gegenüber den Gerichten , die in den Erlassen deutlich werde, "ist einfach nur erschreckend. Wenn wir das im Ausschuss ansprechen, sagt uns die zuständige Staatssekretärin Barbara Hendricks nur, die Urteile seien eben falsch."