Nach Vorstellungen Montis dienen Gebührenordnungen, Werbebeschränkungen oder Kooperationshindernisse vor allem einem Ziel: unliebsame Konkurrenz auszuschalten.
Bereits Anfang nächsten Jahres will die Kommission einen Bericht über den Wettbewerb in den freien Berufen und Deregulierungsmöglichkeiten vorlegen. Regierungen und die Berufsverbände müssen dann jede wettbewerbsbeschränkende Maßnahme rechtfertigen.
Ausgangspunkt für Montis Initiative war eine von der Kommission in Auftrag gegebene Studie. Sie vergleicht, in welchem Umfang in ausgewählten Mitgliedsstaaten einzelne freie Berufe reguliert sind. Heraus kam eine sehr hohe Regulierungsdichte für Deutschland, Italien, Luxemburg und Österreich, während England, Irland und die skandinavischen Länder eher als liberal eingestuft wurden. Die Schlussfolgerungen liegen ganz und gar auf Montis Linie: Eine hohe Regelungsdichte, so die Studie, schade der wirtschaftlichen Effizienz und Produktivität. Kritiker der Untersuchung bemängeln vor allem die streng ökonomische Betrachtungsweise. "Die Gründe für bestimmte Regelungen und spezifische Merkmale der verschiedenen Berufe wurden außer Acht gelassen", sagt Ulrich Scharf, Vizepräsident der Bundesrechtsanwaltskammer. "Wir haben immer gesagt, dass man den freien Beruf, beispielsweise den Anwalt als Organ der Rechtspflege, nicht behandeln kann wie den Supermarkt an der Ecke", sagt auch Klaus-Heiner Lehne, Mitglied des Europäischen Parlaments.