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Merken   Drucken   08.11.2012, 11:47 Schriftgröße: AAA

Recyclingsysteme: Schmerzende Trennung vom Grünen Punkt

Leitartikel Das Grüne-Punkt-System erweist sich als reformunfähig. Da ist es logisch, dass ein neues Modell am Horizont erscheint. Das könnte jedoch die Kommunen überfordern.

Auch wenn die Joghurtbecher- und Tetrapak-Sammelei oft belächelt wird: Das System, mit dem in Deutschland seit über 20 Jahren Verpackungsabfälle in den Wertstoffkreislauf zurückgespeist werden, hat Maßstäbe gesetzt. Der Grüne Punkt und die privatwirtschaftliche Organisation der dualen Systeme - inzwischen gibt es zehn davon - haben geholfen, das Verursacherprinzip bei der Müllentsorgung besser zu verankern. Doch nun könnte es auf der Kippe stehen. Dafür ist der aktuelle Austritt von sechs großen privaten Abfallfirmen aus einer der großen Arbeitsgemeinschaften von Produzenten, Handel und Entsorgern ein erstes Indiz.

Niemand würde mehr die Verantwortung von Herstellern und Vertreibern für ihre Produktverpackungen bestreiten. Und keiner mag wirklich zurück zu jenen Zeiten, als Verpackungsmüll schlicht eine Angelegenheit des Endverbrauchers und der kommunalen Entsorger war. Der Grundgedanke, auf marktwirtschaftlicher Basis die stoffliche Verwertung des Verpackungsmüll zu organisieren, ist immer noch richtig. Das Problem ist nur: Inzwischen ist das duale System mit seiner Vielzahl von Akteuren zu komplex geworden. Es wimmelt von Trittbrettfahrern, die keine Lizenzgebühren zahlen und deren Verpackungen trotzdem in der gelben Tonne landen. Bei der Transparenz der Abfallmengenströme hapert es gewaltig. Und wenn jetzt auch die alte Plastikschüssel oder der zusammengeknüllte Alufolienrest, die sogenannten stoffgleichen Nichtverpackungen, im dualen System - zu Recht - ihren Platz finden sollen, dann stehen die bisherigen Arrangements infrage. Schlecht wäre es aber, die Schwächen des dualen Systems zum Anlass zu nehmen, einseitig auf die Entsorgungskompetenz der Kommunen zu setzen. Die haben wegen ihrer nicht ausgelasteten Müllverbrennungsanlagen gelegentlich auch andere Prioritäten als stoffliche Wiederverwertung.

  • Aus der FTD vom 08.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 15.11.2012 16:32:07 Uhr   guy incognito: Anmerkung

    @ Denkerist: Der Verkauf der Wertstoffe durch Privatpersonen an private Entsorger und Händler ist durch die momentane Fassung des KrWG nicht mehr gestattet, hier werden künftig Klagewellen der Kommunen an die Gerichte kommen. Der Bürger hat per se eine Andienungspflicht für seine Abfälle (egal ob mit positivem oder negativen Marktwert). Des weiteren ist die getrennte Sammlung des Hausmülls und der Wertstoffe nach wie vor sinnvoll, da die "hocheffizienten Sortieranlagen" leider zu einem großen Teil nichts anderes als Ersatzbrennstoffe & Metallfraktionen produzieren. Von einer mechanischen Separierung der einzelnen Wertstoffe (Metall, PET Flakes, Papier, Glas) aus einem Brei ist es noch ein sehr weiter Weg!

    @ Die Erde hat begrenzte Ressourcen: Ein lobenswerter Gedanke, ist sogar in der gesetzlichen Abfallhierarchie verankert. Leider ist die Entsorgungsindustrie mittlerweile ein sehr großer Wirtschaftszweig (und die Anlagenkapazitäten sind noch noch lange nicht ausgeschöpft), von daher wird sich das wohl nicht konsequent vom Gesetzgeber umgesetzt werden!

  • 15.11.2012 09:33:06 Uhr   Denkerist: Subventionierung von DSD
  • 11.11.2012 00:59:19 Uhr   Die Erde hat bregrenzte Resourcen: Grüner Punkt
  • 10.11.2012 12:36:21 Uhr   Becker: Grüner Punkt
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