Neu sind solche regierungsamtlichen PR-Aktionen nicht. Für die jeweilige Opposition sind solche Kampagnen regelmäßig Teufelszeug. 2005 etwa wetterten Union und FDP noch unisono gegen die damalige rot-grüne Bundesregierung von Kanzler Gerhard Schröder (SPD), der Anzeigen für seine umstrittenen Arbeitsmarktreformen geschaltet hatte.
Auch dieses Mal funktioniert das Muster. Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck erregt sich über die Merkel-Kampagne. Er sieht einen direkten Zusammenhang mit dem CDU-Parteitag, der am Dienstag zu Ende gegangen ist. "Das ist ein Fall für den Bundesrechnungshof: Die Werbemittel der Bundesregierung sind nicht zur Imagepflege der CDU bestimmt", sagte er.
Ähnliche Äußerungen könnte man von der FDP erwarten, wenn sie noch Oppositionspartei wäre. Die Liberalen hatten die Große Koalition noch 2009 mit Sparvorschlägen genervt. So wollte sie das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung auflösen, um Geld zu sparen. Auch in den Bundesministerien sollten die Mittel für Öffentlichkeitsarbeit zusammengestrichen werden. Das Bundeswirtschaftsministerium etwa hätte 2009 auf die Hälfte seines PR-Etats von damals 3 Mio. Euro verzichten müssen.
Doch das ist Geschichte: Die christlich-liberale Koalition gibt in diesem Jahr mehr Geld für die Öffentlichkeitsarbeit aus als die Große Koalition. Die Ausgaben der Ministerien steigen in diesem Jahr um 14 Prozent auf 56,6 Mio. Euro. Auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) langt zu: Sein Ressort gibt 7 Mio. Euro für Eigenwerbung aus.