Die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer verunsichert die Verbraucher
Die jüngste Umfrage der GfK ergab im Vergleich zum Novemberwert einen Rückgang des Konsumklimas von 3,3 Prozent auf 3,1 Prozent für Dezember. Während sich die Erwartungen der rund 2000 Befragten an ihre Einkommen und die Konjunktur eintrübten, vergrößerte sich ihre Neigung zur Anschaffung langlebiger Güter etwas.
Das Weihnachtsgeschäft sollte der GfK zufolge ein wenig besser laufen als im vergangenen Jahr. Für 2005 bekräftigte sie ihre Prognose, dass der private Verbrauch in Deutschland die Marke von 0,2 Prozent nicht übersteigen werde.
Erwartungen hellen sich im Osten auf
Die Mehrwertsteuererhöhung zum Januar 2007 um drei auf 19 Punkte, die Kürzung der Pendlerpauschale und die Streichung der Eigenheimzulage hätten den Konsumenten auf den Magen geschlagen, sagte GfK-Chef Klaus Wübbenhorst. Bei den Ostdeutschen habe dagegen die Erleichterung überwogen, dass nicht so viele Einschnitte gekommen seien wie befürchtet. Die Menschen mit tendenziell höherem Einkommen im Westen hätten enttäuschter auf die Koalitionsverhandlungen reagiert: "Die sehen, dass weniger im Geldsäckel übrig bleiben wird."
Der GfK zufolge gab der Teilindikator Konjunkturerwartung von plus 1,4 auf minus 8,6 Zähler nach. Der Indikator zu den persönlichen Einkommenserwartungen sank von minus 5,1 Punkte auf minus 12,9. Hingegen stieg die Anschaffungsneigung von minus 10,2 auf minus 8,1 Punkte.
WM stößt Kaufimpulse an
Für 2006 prognostiziert die GfK eine Steigerung des privaten Konsums in Deutschland um 0,5 Prozent. Die drohende Mehrwertsteuererhöhrung führe im kommenden Jahr zu positiven Konjunktureffekten, sagte Wübbenhorst. Daneben werde die Fußball-Weltmeisterschaft für Kaufimpulse sorgen.
Mit der Anhebung der Mehrwertsteuer sei ein Inflationseffekt von etwa 1,7 Prozent verbunden. Hinzu komme ein durchschnittlicher Einkommensschwund von 0,8 Prozent. "Für 2007 sind das keine sehr positiven Aussichten", sagte Wübbenhorst.
Gleichzeitig wird erwartet, dass die Verbraucher noch vor der Steuererhöhung langlebige Konsumgüter erwerben werden. "Man kauft das neue Auto dann lieber etwas früher." Dagegen gingen von den Koalitionsvereinbarungen nach Wübbbenhorsts Einschätzung nur verhaltene Impulse für den Arbeitsmarkt aus.
"Keine neuen Grausamkeiten"
Wübbenhorst wertete positiv, dass die Unsicherheit über die Regierungsbildung nun abgeschlossen sei - die Angst weiche der Klarheit. Wichtig sei jetzt, dass die Vereinbarungen des Koalitionsvertrages schrittweise umgesetzt würden und es keine neuen Grausamkeiten gebe. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei zwar entscheidend für eine durchgreifende Verbesserung der Verbraucherstimmung. Die neue Bundesregierung habe den Schwerpunkt jedoch mehr auf die Sanierung der Staatsfinanzen gesetzt. "Ich entdecke keine Priorität für das Motto Vorfahrt für Arbeit", sagte Wübbenhorst. Wenn die Regierung ihr Programm allerdings konsequent durchziehe, "ohne zu wackeln", könne dies dennoch vertrauensfördernd sein.
Der Anstieg des wichtigsten Indikators Anschaffungsneigung lässt auch nach Meinung von Volkswirten auf ein vergleichbares Weihnachtsgeschäft wie 2004 hoffen. Ein Analyst der BHF-Bank sagte, das Konsumklima breche zwar nicht ein: "Wegen der Belastungen durch die Politik, den hohen Ölpreis und den Arbeitsmarkt ist aber nicht zu erwarten, dass die Konsumenten in die Geschäfte stürmen und Geld ausgeben, das sie nicht haben." Ein Analyst von M. M. Warburg sagte, wegen der Mehrwertsteuererhöhung würden die Konsumenten wohl im kommenden Jahr größere Anschaffungen vorziehen: "Das sind aber nur Strohfeuer."
Besonders pessimistisch sind der GfK zufolge weiter Menschen mit niedrigem Einkommen und Ruheständler, die sich auf weitere Renten-Nullrunden einstellen müssen. Die Anschaffungsneigung verbesserte sich am stärksten in den gehobenen sozialen Schichten, allerdings trübten sich dort die Einkommenerwartungen sehr deutlich zum Vormonat ein.