Westerwelle hat alles versucht, um wenigstens eine langfristige Abzugsperspektive zu schaffen. Ein gemeinsamer Nato-Raketenschild für Europa mache die Atombomben überflüssig, hat er argumentiert. Doch die Abzugsgegner, allen voran die Atommächte Frankreich und Großbritannien, blockieren. Frankreich sieht sich noch immer als Großmacht, die "Force de Frappe" dient als Symbol der nationalen Stärke und der Unabhängigkeit von den USA. "Die Franzosen und Briten begründen mit den Atomwaffen ihren ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat", sagt Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn, einer von Westerwelles Mitstreitern. "Die haben kein Interesse an einer Reduzierung." US-Außenministerin Hillary Clinton hat im April beim letzten Treffen der Nato-Außenminister in Tallin Westerwelles Hoffnungen deutlich gedämpft: Sie stellte klar, die Nato sei auf absehbare Zeit eine nukleare Allianz, und die taktischen Atomwaffen blieben in Europa. Auch Rasmussen hat sich festgelegt - gegen Westerwelle: "Der Raketenschirm ist kein Ersatz für nukleare Abschreckung", sagte er am Montag.
In Osteuropa findet Westerwelle noch weniger Verständnis. "Vor allem die Balten, aber auch die Polen fühlen sich noch immer von den russischen Atomwaffen bedroht", sagt Asselborn. Und die Russen denken nicht dran, Vorreiter zu spielen. "Zuerst müssen die Amerikaner ihre taktischen Nuklearwaffen heimholen", sagt ihr Nato-Botschafter Dmitri Rogosin. Während die USA rund 200 taktische Sprengköpfe in Europa stationiert haben, dürfte Russland bis zu 2000 besitzen.
Westerwelle fehlen Verbündete. Zwar sind die Slowenen mittlerweile auf seiner Linie, die Holländer und Belgier haben ihre Regierungen aber abgewählt. Für Westerwelle geht es damit um die Ehre. Wenn die Bomben schon nicht aus Büchel verschwinden, so soll wenigstens das Thema atomare Abrüstung in der Nato-Strategie auftauchen. "Wenn es da in einem Passus hieße, man werde die Zahl der substrategischen Nuklearwaffen überprüfen, wäre das schon ein Erfolg", sagt ein Nato-Diplomat. "Mit all dem wird sich Deutschland aber nicht durchsetzen", ist sich ein hochrangiger deutscher Nato-Beamter sicher.
Eins hat Westerwelle immerhin erreicht. Die Nato redet über Abrüstung. Auf dem Gipfel will sie erstmals einen Ausschuss für Rüstungskontrollfragen ins Leben rufen. Es könnte auch einen geben, der eine neue nukleare Strategie entwerfen soll. Doch bis es Ergebnisse gibt, werden nach Experteneinschätzung viele Jahre vergehen. Für den Titel Abrüstungsminister muss Guido Westerwelle noch hart arbeiten.