"Das wichtigste Argument ist das wachsende Risiko von Altersarmut gerade im Bereich der kleinen Unternehmer und Solo-Selbstständigen, die heute oft zu wenig selbst für das Alter vorsorgen", sagte Rische in einem Interview mit der FTD.
Rische begibt sich auf vermintes Gebiet. Selbstständige in die staatliche Altersvorsorge zu zwingen dürfte ihren wütenden Protest provozieren. Zugleich rührt er aber an einem Tabu: Viele Kleinunternehmer bewegen sich heute am Rande der Existenz, die Altersvorsorge kommt dabei oft zu kurz. Rückendeckung erhält er vom Sachverständigenrat der Bundesregierung.
Früher hätten die meisten Selbstständigen tatsächlich für ihr Alter sparen können, sagte Rische. "Heute aber sehen wir immer mehr Versicherte mit Lücken in der Erwerbsbiografie, die mal versichert waren, sich dann aber selbstständig machen, die wenig verdienen und dann keine ausreichende Altersvorsorge mehr betreiben." Diese Kleinunternehmer ähnelten eher einem Arbeitnehmer als dem klassischen Unternehmer.
Ausnahmen solle es nur für jene Selbstständigen geben, die in berufsständischen Versorgungswerken abgesichert sind. Mit Blick auf mögliche Proteste oder die Konfliktangst der Politik gab sich Rische gelassen. "Ich erlebe in den Parteien keine wütenden Proteste, wenn ich diese Forderung erhebe", sagte er.
Heute zahlen mehr als 34 Millionen Menschen Rentenbeiträge. Die meisten sind Arbeitnehmer, die dazu per Gesetz gezwungen sind. Begründet wird dies damit, ohne den Zwang würden viele Beschäftigte ihre Vorsorge vernachlässigen. Den meisten Selbstständigen ist ihre Altersvorsorge dagegen völlig freigestellt. Sie können sich aber freiwillig versichern. Bei mehr als vier Millionen Selbstständigen zählen die Rentenversicherer derzeit nur etwas über 440.000 freiwillig Versicherte.