Jürgen Rüttgers, CDU-Chef in NRW
"Ich bin Katholik und ich glaube, dass unser christliches Menschenbild das Richtige ist und nicht vergleichbar ist mit den anderen Menschenbildern, die es anderswo auf der Welt gibt", sagte der Politiker in der N24-Sendung "Studio Friedman" am Donnerstagabend in Berlin. Auf die Nachfrage des Moderators nach der etwaigen Überlegenheit der katholischen Kirche und ihres Menschenbildes, sagte Rüttgers: "Ich glaube, dass es das Richtige ist, wenn Sie wollen auch "überlegen."
Ob der CDU-Landeschef ausgerechnet mit diesem Thema im Wahlkampf punkten kann, ist fraglich. Bei einer Direktwahl würde Rüttgers klar von Ministerpräsident Peer Steinbrück distanziert. Für Steinbrück würden sich 40 Prozent, für Rüttgers lediglich 29 Prozent entscheiden, berichtete die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf eine Forsa-Umfrage.
Auch eine klare Wechselstimmung ist in NRW der Umfrage zufolge nicht erkennbar: Nur 31 Prozent glaubten, eine CDU-geführte Landesregierung würde es besser machen als die jetzige. 59 Prozent meinen, die Zeit für einen politischen Wechsel sei nicht reif. 57 Prozent der Befragten wissen noch nicht, ob sie wählen oder für welche Partei sie stimmen werden.
Willkommenes Thema für SPD und Grüne
SPD und Grüne nahmen die Äußerungen zum Anlass, um Rüttgers scharf zu kritisieren. "Nach wochenlangem Schweigegelübde ist Jürgen Rüttgers wieder aufgetaucht und bläst gleich zum Heiligen Krieg", meinten die beiden Landesvorsitzenden der Grünen, Britta Haßelmann und Frithjof Schmidt. Seine Äußerungen seien "ein Schlag ins Gesicht für die überwältigende Mehrheit der deutschen Katholiken, die sich seit Jahren für die Ökumene und den interreligiösen Dialog etwa mit dem Islam einsetzten".
SPD-Landeschef Harald Schartau sagte, Rüttgers habe die Gefühle vieler gläubiger Menschen verletzt. Seine Aussage zeuge "von einem intoleranten und verengten Weltbild". Schartau wies darauf hin, dass Papst Benedikt XVI. zu Beginn seines Pontifikats klargestellt habe, er sei bereit, "alles in seiner Macht stehende zu tun, um das Grundanliegen der Ökumene voranzubringen."
Auch die FDP ging auf Distanz. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der FDP im Landtag, Marianne Thomann-Stahl, sagte, egal wie das Zitat von Rüttgers gedeutet werde: "Mit der FDP wird es in der künftigen gelb-schwarzen Landesregierung kein Gegeneinander der Religionen geben."