Der vor gut einem halben Jahr vollzogene Wechsel an der Regierungsspitze, vom langjährigen Ministerpräsidenten Peter Müller zu Annegret Kramp-Karrenbauer, ist geglückt. Die über ihr Bundesland hinaus noch weitgehend unbekannte CDU-Politikerin hat erstmals bewiesen, dass sie als Frontfrau Wahlen gewinnen und die SPD auf Distanz halten kann.
So zählt der sozialdemokratische Spitzenkandidat Heiko Maas einmal mehr zu den Verlierern, obwohl seine Partei deutlich zugelegt hat. Bis zum Wahlabend durfte er hoffen, die SPD nach einer langen Durststrecke wieder zur Nummer eins zu machen und Chef einer Großen Koalition zu werden. Jetzt muss er nach der Pfeife von Kramp-Karrenbauer tanzen, ihm bleibt lediglich die Rolle des Juniorpartners. Das hätte er auch schon im Januar haben können, als ihm die Regierungschefin ein solches Bündnis anbot. Doch Maas wollte Neuwahlen, um selbst in die Staatskanzlei einzuziehen. Diese Ambitionen haben ihm die Saarländer nun schon ein drittes Mal zunichtegemacht. Über kurz oder lang wird seine Partei daraus Konsequenzen ziehen, falls Maas das nicht freiwillig tut.
Bundespolitisch darf dieses Wahlergebnis nicht überbewertet werden. Aber interessante Aufschlüsse bietet es schon. Der freche Beutezug der Piraten geht weiter. Erstmals beweisen sie, dass sie nicht nur eine Metropole wie Berlin kapern können, sondern auch weniger mondäne Flächenländer. Man muss mit den Newcomern rechnen bei den nächsten Landtagswahlen. Auch bemerkenswert: Die FDP fliegt wie in Berlin hochkantig aus dem Parlament, verliert fast ihre gesamte Wählerschaft und ist nur noch ein Häufchen Elend - Spiegelbild der Bundespartei und krasser Kontrast zu Röslers Rhetorik der letzten Wochen von einer Wende zum Besseren. Und nicht zuletzt: Die SPD-Spitze wird nun nicht gar so vorlaut behaupten können, im kleinen Saarland sei ein sozialdemokratisches Superwahljahr eingeläutet worden, das über Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen die Kanzlerin und ihre Partei erschüttern wird.