Ausgabenstruktur des Bundes für 2010 in %
Dass Deutschland nicht weiter Geld ausgeben kann, das es nicht hat, haben sich Union und FDP selbst eingebrockt. Anfang 2009 verankerten sie die Schuldenbremse im Grundgesetz. Sie schreibt vor, dass ab 2016 die Ausgaben des Bundes die Einnahmen langfristig nur noch um maximal 0,35 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) übersteigen dürfen.
Das Ganze klingt harmlos, bleiben doch ein bisschen Schulden erlaubt. Ist es aber nicht. Denn 2010 liegt das strukturelle Defizit des Bundes bei satten 2,77 Prozent. Um in sechs Jahren die Schuldenbremse einzuhalten, muss Schäuble Jahr für Jahr rund 10 Mrd. Euro auftreiben. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: Er spart, oder er erhöht Steuern und Abgaben. Da die Koalition Letzteres ausgeschlossen hat, bliebe Schäuble nur noch Kürzen.
Natürlich kursieren bereits Ideen und Vorschläge, was alles auf den Prüfstand gehört. Konservative in der Union etwa verweisen auf das erst vor drei Jahren eingeführte Elterngeld. Es hat Milliarden gekostet, mehr Kinder werden dennoch nicht geboren. "Ein Unsinn" sei das, schimpfen nicht wenige in Union und FDP, dennoch gilt eine Kürzung hier als unwahrscheinlich - der Schaden für Kanzlerin Angela Merkel wäre zu groß.
Das Beispiel zeigt, wie schwierig es für Schäuble werden wird, schon seine ersten 10 Mrd. Euro für 2011 zusammenzukratzen. Denn egal, wo der Finanzminister den Rotstift ansetzt, überall wird er Proteste ernten. Dass seine Kabinettskollegen in ihren Etatwünschen für das kommende Jahr nun sogar 10 Mrd. Euro Mehrbedarf angemeldet haben, macht die Sache nicht leichter. Ebenso wenig wie das Vorhaben der Koalition, die Steuern zu senken, das Gesundheitssystem zu reformieren und mehr Geld für Bildung auszugeben.