Darauf erhielt Schäuble lang anhaltenden Beifall. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte in der Sitzung: "Wenn Du in der Horizontalen bist, kannst Du ja auch telefonieren." Sie mahnte aber die Abgeordneten, den Minister zu schonen. Man könne auch sie anrufen, weil sie in ständigem Kontakt mit dem Finanzminister sei.
Erst Mitte Mai hatte der querschnittsgelähmte Politiker nach längerem Klinkaufenthalt seine Amtsgeschäfte wieder aufgenommen. Das Problem ist dasselbe: Entzündungen und eine nicht heilende Wunde, nachdem routinemäßig ein neues Implantat für die Verdauung eingesetzt worden war.
Wie schon bei den ersten unfreiwilligen Auszeiten fällt auch Schäubles neue Zwangspause in eine Zeit wichtiger Entscheidungen. Schon kommende Woche sollte er in Washington am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) über weitere Reformen der Finanzmärkte und des IWF verhandeln. Ende Oktober wollte Schäuble nach Südkorea reisen, um den Finanzministern der wichtigsten Wirtschaftsnationen (G20) den Welt-Finanzgipfel vorzubereiten.
Auch in Europa und in der Heimat stehen Top-Beschlüsse an: So sind schärfere EU-Strafen für Defizitsünder in Europa heftig umstritten. Hier gibt es zwischen Berlin und Paris Differenzen. Die könnte Schäuble, der einen guten Draht zu seiner französischen Kollegin Christine Lagarde hat, entschärfen. Und in Berlin kann bei den schwarz-gelben Streitthemen Haushalt, Sparpaket, Gemeindefinanzen und Steuervereinfachung längst keine Entwarnung gegeben werden.