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  FTD-Serie: Bildungspolitik

Im deutschen Bildungssystem liegt vieles im Argen: marode Schulen, Unterrichtsausfall und zu wenig Hochschulabsolventen. Zugleich ist die Bildungslandschaft in Bewegung geraten. Eine Serie über eines der wichtigsten Zukunftsthemen der deutschen Politik.

Merken   Drucken   29.11.2006, 22:01 Schriftgröße: AAA

Schavan verlangt mehr Studienplätze

Angesichts sinkender Studienanfängerzahlen hat Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) Länder und Hochschulen aufgefordert, schnell mehr Studienplätze zu schaffen. Sie reagierte damit auf neue Daten des Statistischen Bundesamtes. von Timo Pache (Berlin)
Wissenschaftsministerin Annette Schavan droht den Ländern damit, ...   Wissenschaftsministerin Annette Schavan droht den Ländern damit, dass der Bund Geld zurückfordern könnte
"Ich kann an die Länder und die Hochschulen nur appellieren, mit dem Hochschulpakt jetzt schnell die Studienkapazitäten auszubauen", sagte Schavan der FTD. Nach neuen Daten des Statistischen Bundesamtes sank die Zahl der Studienanfänger in diesem Herbst um 3,5 Prozent. Der Trend weg vom Studium ist eine Blamage für die Politik. Seit Jahren erklären Bund und Länder, mehr Schulabsolventen zu einem Studium bewegen zu wollen. Doch das Gegenteil ist der Fall.
Um ihre Haushalte zu konsolidieren, sparen viele Länder beim Lehrpersonal an Hochschulen. Im Gegenzug belegen die Hochschulen ihre Studiengänge mit einem Numerus Clausus, sodass nur noch sehr gute Schulabgänger einen Studienplatz erhalten. Unterm Strich nehmen so nicht immer mehr, sondern immer weniger Schüler ein Studium auf.
Studienanfängerquote nur noch bei 35,5 Prozent Zum Wintersemester 2006 schrieben sich hierzulande knapp 344.000 Schulabgänger an Unis und Fachhochschulen ein. Gemessen an der gleichaltrigen Bevölkerung sank die sogenannte Studienanfängerquote auf 35,5 Prozent. 2003 lag sie noch bei 38,9 Prozent. Insgesamt gab es in Deutschland 1,979 Millionen Studenten. Bund und Länder peilen aber eine Studienanfängerquote von 40 Prozent an, was im internationalen Vergleich immer noch eher niedrig ist.
"Wichtigster Grund für den Rückgang ist der anhaltende Trend an den Hochschulen, den Zugang zu Studiengängen zu beschränken", sagte Schavan. Einen Zusammenhang mit der Einführung von Studiengebühren in einigen Bundesländern stritt sie dagegen ab. Der Rückgang falle etwa in Sachsen mit minus 13 Prozent besonders hoch aus, das Erststudium sei hier aber nach wie vor gebührenfrei.
Um den Trend umzudrehen, müssten Länder und Hochschulen nun schnell den Hochschulpakt umsetzen, sagte Schavan. In dem Pakt verpflichten sich Bund und Länder, bis 2010 weitere 90.000 Plätze für Studienanfänger zu schaffen. Dafür wollen beide Seiten gut 1,1 Mrd. Euro zusätzlich ausgeben.
Die Forschungsministerin verband ihren Appell mit einer kaum verhohlenen Warnung: "Ein weiterer Studienplatzabbau ist schon deshalb nicht ratsam, weil wir 2009 sehr genau prüfen werden, ob die Ziele des Paktes eingehalten worden sind oder nicht. Wird die Zahl 90.000 nicht erreicht oder bauen einige Länder sogar Studienplätze ab, dann gibt es auch kein Geld vom Bund." Gewährte Zuschüsse des Bundes müssten dann zurückgezahlt werden. Ein "wirksameres politisches Steuerungsinstrument" gebe es nicht. Der Erfolg des Paktes sei schon im nächsten Jahr überprüfbar, da dann "zirka 13.000" neue Studienanfängerplätze geschaffen werden müssten.
Zugleich rief sie Jugendliche auf, die neuen Angebote auch zu nutzen. "Bildung ist die Aufstiegschance für junge Leute. Aber der Einzelne muss dies auch wollen", sagte Schavan. Dies müssten "die Eliten dieser Gesellschaft auch deutlich sagen".
Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Achim Meyer auf der Heyde, kritisierte die Hochschulpolitik scharf und sprach von einem "herben Rückschlag". Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, forderte mehr Geld für die Hochschulen.
  • Aus der FTD vom 30.11.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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