Merken
Drucken
20.12.2010, 22:04
Schriftgröße: AAA
Schneefolgen:
Spardiktat verursacht Winterchaos
© Bild:
2010 AFP
Der Effizienzdruck im Transportsektor hat das Chaos im europäischen Bahn-, Luft- und Straßenverkehr drastisch verschärft: Zahlreiche Unternehmen kapitulieren vor den Schneemassen. Sie sind auf extremes Wetter kaum vorbereitet, weil das teuer ist.
von Ulf Brychcy ,
Jennifer Lachman
und Margret Hucko, Hamburg
In weiten Teilen des Kontinents fielen wie in Deutschland viele Flüge und Zugverbindungen aus, es kam zu unzähligen Verspätungen. In Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden wegen vereister Straßen sogar Fahrverbote für Lkw verhängt, die erst im Laufe des Tages teilweise aufgehoben werden konnten.
Mitschuld an den enormen Behinderungen trägt das Spardiktat in der Logistikbranche.Viele Bahnbetreiber etwa halten aus Kostengründen keine Ersatzzüge vor, die bei harten Wetterbedingungen gebraucht würden. Fluglinien wie die
Lufthansa takten ihre Pläne so, dass die Flugzeuge möglichst lange in der Luft bleiben. Spediteure verzichten darauf, Winterreifen auf ihre Lkw zu ziehen - dies allein würde bis zu 6000 Euro pro Fahrzeug kosten.
Exemplarisch ist die Situation bei der Bahn, die mit den laut Deutschem Wetterdienst (DWD) "außergewöhnlichen Schneehöhen" kaum zurechtkommt. Würden die Deutsche Bahn und ihre Konkurrenten die Züge für einen Einsatz in der jetzigen Extremwetterlage ausrüsten, entstünden erhebliche Mehrkosten.
Nach Angaben des weltgrößten Zugherstellers Bombardier kostet etwa ein Regionalzug, der für den harten Winter in Schweden ausgerüstet ist, rund 15 Prozent mehr als ein vergleichbarer Zug in Deutschland. "Der Mehraufwand entsteht durch eine stärkere Heizung, bessere Isolierung, durch beheizte Kupplungen und Wärmevorhänge", sagte ein Bombardier-Sprecher der FTD.
Die Deutsche Bahn habe wegen ihres Sparkurses viele Personenwaggons verschrottet, die nun fehlen, sagte Karl-Peter Naumann von Fahrgastverband Pro Bahn. Außerdem erweise sich das Gleisnetz bei Extremsituationen als Problem. Die Bahn habe intern eingeräumt, dass es zu wenig Heizungen an Weichen gebe, so Naumann. Dies führe bei Schnee und Eis zu Betriebsstörungen, die sich als Verspätungen und Zugausfälle rasch auf das gesamte Netz auswirkten.
Teil 2: "Nur in der Luft verdienen die Airlines Geld"
-
Aus der FTD vom 21.12.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden