Doch insbesondere für private Grundschulen sind die Hürden hoch. Nach Artikel 7 des Grundgesetzes muss eine private Volksschule entweder konfessionell sein oder ein besonderes pädagogisches Konzept verfolgen. Schulträger, die einfach nur normale Schule besser machen wollen, haben kaum Chancen auf Anerkennung und damit auf staatliche Zuschüsse.
"Die meisten Politiker sind trotz verstärkter Elternnachfrage feindselig", klagt der Bundesverband Deutscher Privatschulen (VDP). Zwar gäbe es einige offenere Bundesländer. Doch bei sinkenden Schülerzahlen und knappen Kassen herrsche meist Sorge, sich durch neue Ersatzschulen zu zusätzlichen Ausgaben zu verpflichten.
Wirtschaftsverband hilft beim Genehmigungsverfahren
Ohne Zweifel ist es beim langwierigen Genehmigungsverfahren von Vorteil, wenn nicht nur alternative Pädagogen, sondern auch Wirtschaftsinteressen mit im Boot sind. Beim Pädagogium etwa gehören die wichtigsten Arbeitgeber der Region dem Schulträgerverein an. Denn die Schule entstand auf Anregung der örtlichen Meister, die immer unzufriedener mit ihren Auszubildenden wurden. Ihre Klage: Die Teenager könnten nicht mehr selbstständig denken. Da beschloss das Berufliche Bildungszentrum der Prignitzer Wirtschaft, selbst aktiv zu werden. Auch ein Gymnasium soll demnächst folgen.
Über den Einwand, dass Montessoris Reformpädagogik und ein Wirtschaftsverband ein ungleiches Paar abgeben, kann Geschäftsführerin Ines Ranke nur lachen: "Für unsere Unternehmen ist der Standortfaktor Bildung entscheidend. Und das Pädagogium holt das Beste aus den Kindern heraus."
Die örtlichen Schulen in Neuruppin beäugten den Neuling anfangs noch misstrauisch. "Es kursierten jede Menge bizarre Vorurteile", erinnert sich Schulleiter Pauli. Austausch gab es zuerst so gut wie keinen. Nach Ansicht von Experten liegt in diesem Misstrauen oft ein großes Versäumnis. "Von den Erfahrungen privater Schulen fließt noch zu wenig zurück", kritisiert der Grundschulverband. Die öffentlichen Schulen straften die Konkurrenz mit Nichtachtung. Aber auch mancher freier Träger sei unwillig, sein Konzept zu teilen.
Doch in Neuruppin haben nach den anfänglichen Eifersüchteleien die staatlichen Schulen Interesse an den Ideen des Pädagogiums bekundet. Denn für die Regelschulen steht viel auf dem Spiel: Ihre Anmeldungen sind stark zurückgegangen.
Starke Nachfrage
Deutschland Die Zahl der Privatschulen steigt stark. Dennoch machen private Institute noch immer nur drei Prozent aller Grundschulen aus.
International In vielen anderen Staaten ist der Anteil der Privatschulen höher. In Belgien und den Niederlanden beispielsweise beträgt er mehr als 50 Prozent.