Sinkendes Nettoeinkommen:Boom geht an Geringverdienern vorbei
Deutschland sonnt sich im Aufschwung. Doch bei den unteren Einkommensgruppen kommt von der guten Wirtschaftsentwicklung nichts an. Sie mussten seit 2000 erhebliche Einbußen hinnehmen.
Trotz Wirtschaftswachstums sind die realen Nettolöhne von Geringverdienern einem Zeitungsbericht zufolge seit der Jahrtausendwende stark gesunken. Bei Beschäftigten in den unteren Einkommensgruppen betrugen die Einbußen preisbereinigt 16 bis 22 Prozent. Das ergab laut "Berliner Zeitung" eine Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
Reinigungskräfte gehören zu den Geringverdienern
Das DIW wertete neue Umfrageergebnisse des sozioökonomischen Panels aus, für das jährlich Tausende nach ihren Lebensumständen befragt werden. Demnach sanken die realen Nettoeinkommen von Geringverdienern zwischen 2000 und 2010 besonders stark. Im Durchschnitt aller Beschäftigten gingen die Nettogehälter preisbereinigt um 2,5 Prozent zurück. Beschäftigte in der höchsten Einkommensgruppe verbuchten ein leichtes Plus von knapp einem Prozent.
Die Wirtschaft sei seit der Jahrtausendwende ordentlich gewachsen, sagte DIW-Experte Markus Grabka der Zeitung. Doch bei den meisten Erwerbstätigen sei davon nichts angekommen. Die Politik hatte die Ausweitung des Niedriglohnsektors mit den Hartz-Reformen massiv unterstützt.
Die Regierung plant zum 1. Januar 2013, Steuern und Abgaben zu senken. Ziel ist es, vor allem kleine und mittlere Einkommen zu entlasten. Im Gespräch ist eine Abflachung des sogenannten Mittelstandsbauches, was aber sehr teuer werden kann. Auch über den Solidaritätszuschlag wird diskutiert. Als wahrscheinlich gilt eine Absenkung des Rentenbeitrags. Das Gesetz schreibt eine Beitragssenkung vor, wenn die Rentenkassen übervoll sind. Das ist derzeit der Fall.
Die OECD klagt seit langem, dass hierzulande Geringverdiener stärker belastet würden als in den meisten anderen Industrieländern. So sei die Abgabenlast in den vergangenen zehn Jahren vor allem für gut verdienende Singles gefallen. Für Alleinerziehende mit wenig Einkommen dagegen habe es nur ein wenig mehr Netto vom Brutto gegeben.
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