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Merken   Drucken   18.07.2011, 22:11 Schriftgröße: AAA

Sozialdemokratischer Führungsstreit: SPD-Kandidaten nutzen Euro-Rettung fürs Schaulaufen

Einer der drei wird gegen Angela Merkel antreten: Mit Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier fährt die Partei ihre drei Größen auf, um der Kanzlerin zu helfen – aber nur bei der Rettung der Gemeinschaftswährung. von Jens Tartler  Berlin
Mit der Frage mussten sie einfach rechnen. Da konnten Sigmar Gabriel, Peer Steinbrück und Frank-Walter Steinmeier mit - je nach Temperament - noch so viel Pathos, Sachverstand und Ruhe über Europa, den Frieden, den Euro und Griechenland reden. Nach einer Dreiviertelstunde will einer der Fragensteller in der Bundespressekonferenz wissen, warum die SPD gleich ihre drei Größen aufbieten muss, um der Kanzlerin eine Zusammenarbeit zur Rettung des Euro anzutragen. "Wären wir nicht zu dritt gekommen", sagt Parteichef Gabriel, "hätten Sie gefragt, warum einer von uns nicht dabei ist. Dem wollten wir aus dem Weg gehen."
Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, SPD-Fraktionschef Frank-Walter ...   Ex-Finanzminister Peer Steinbrück, SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und SPD-Chef Sigmar Gabriel
Das ist gar nicht so falsch, aber nicht die ganze Wahrheit. Auf dem Podium sitzen nämlich die drei potenziellen Kanzlerkandidaten der SPD für die Bundestagswahl 2013. Die haben sich hier nicht nur versammelt, um Angela Merkel die frohe Botschaft zu überbringen, dass sie ihr in der Not beispringen würden, um das Land und Europa zu retten. Es ist vor allem auch ein "Schaulaufen", wie die Grünen schon am Vortag spotteten. Wer redet wann und wie viel, wer dominiert die Veranstaltung, wer wirkt am kompetentesten?, fragen sich alle. Oder kürzer: Wer kann Kanzler?
Aus dem formalen Ablauf lässt sich nicht viel ablesen. Die drei haben sich die Redezeit recht gleichmäßig aufgeteilt. Der Parteichef fängt an, der ehemalige Finanzminister folgt und der Fraktionsvorsitzende macht auf eigenen Wunsch den Abschluss. Und doch ist am Ende der Veranstaltung ziemlich eindeutig, wer den besten Auftritt hingelegt hat.
Gabriel fällt dadurch auf, dass er noch stärker gebräunt ist als sonst. Er war gerade in Spanien, weshalb ihm auch die andalusische Arbeitslosenquote geläufig ist. Er beklagt den "Mangel an politischer Führung" in Europa. "Vor allem Deutschland mit seiner Regierungschefin ist maßgeblich daran beteiligt." Es fehle ein Gesamtkonzept und die Bereitschaft zu unpopulären Entscheidungen. Die Politik müsse den Menschen sagen, dass sie verzichten müssten. "Das wird weder für fair noch für gerecht gehalten."
Obwohl die Koalition unredlicherweise mit dem Schlachtruf "Kein Cent für Griechenland" durch Deutschland gezogen sei, habe die SPD der Kanzlerin an diesem Montag einen Brief überreicht mit der Botschaft: "Wir sind bereit, gemeinsam an Lösungen der drängenden Probleme mitzuwirken." Sollten Merkel die nötigen Stimmen in ihrer Koalition für die Euro-Rettung fehlen, stehe die SPD bereit - aber nicht für eine Große Koalition. Auch Neuwahlen seien nicht realistisch, sagt Gabriel. Er will die Kanzlerin bis 2013 leiden lassen.

Teil 2: Kompetenz in der Euro-Krise

  • Aus der FTD vom 19.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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