Dieser Name muss verschwinden. Er steht für ein Trauma. Er hat sich nicht nur in die SPD gefressen, sondern in unsere Köpfe: Hartz IV. Es ist eine Chiffre, die Angst macht, die für Abstieg steht und Versagen, es ist ein furchtbares Etikett für eine richtige Reform. Ein psychologisches Desaster. Also: Weg mit Hartz IV!
Die Pläne der FDP, Hartz IV durch ein Bürgergeld zu ersetzen, in dem alle Sozialleistungen gebündelt sind, sind allein deshalb schon klug, weil dieses Land endlich mit seiner zwanghaften Fixierung auf diese Kombination aus fünf Buchstaben und römischer Zahl aufhören könnte. Seit 2005 dröhnt dieser Begriff in der Debatte wie ein Ohrwurm. Für die SPD ist er sogar ein Brandmal, das sich heftig entzündet hat und eitert.
Die Karriere dieser Chiffre ist ziemlich einmalig: Im Grunde geben die Deutschen ihren Gesetzen ja immer furchtbare Namen. Das "bürokratische Monstrum", von dem dann immer die Rede ist, kündigt sich schon bei der Taufe im Ministerium an. Die Amerikaner nennen ihre Gesetze Freedom Act. Wir nennen sie Rettungsübernahmegesetz oder Steuervergünstigungsabbaugesetz. Hey, das klingt nach Shoppen!
Von Stalin lernen
Natürlich ist ein Name nicht alles, aber er ist ein Baustein. Das haben, nehmen wir mal Sting oder Stalin, vor allem Popstars und Diktatoren begriffen. Natürlich sagt ein Name auch nichts über das Gesetz aus. Es nützt nichts, wenn es miserabel ist und gut klingt. Umgekehrt aber kann ein Name schon im Vorweg alles zunichtemachen. Und eine gute Verpackung und Verkaufe zumindest einen guten Anfang bedeuten.
Mancher wird jetzt einwenden, dass ein hübsches Etikett die großen Stümpereien, politischen Gemeinheiten und Kahlschlagreformen doch nur kaschiere und eh nichts ändere. Das würde unterstellen, dass Politiker uns dauernd Böses wollen, und da tut man den Damen und Herren in Berlin Unrecht. Der Name, das hat George Orwell schon mit seinem Neusprech in "1984" gezeigt, beeinflusst unser Denken. Er setzt sich in Köpfen fest und zugleich etwas frei.