FTD.de » Politik » Deutschland » Am Anfang war das Wort Hartz IV

Merken   Drucken   08.10.2009, 08:44 Schriftgröße: AAA

Sozialsystem: Am Anfang war das Wort Hartz IV  

Kommentar Hartz IV muss wirklich weg - zumindest der Name. Die Chiffre ist ein psychologisches Desaster. Das neue Bürgergeld wäre schon als Begriff eine Erlösung. Und taktisch genial. von Horst von Buttlar 
Dieser Name muss verschwinden. Er steht für ein Trauma. Er hat sich nicht nur in die SPD gefressen, sondern in unsere Köpfe: Hartz IV. Es ist eine Chiffre, die Angst macht, die für Abstieg steht und Versagen, es ist ein furchtbares Etikett für eine richtige Reform. Ein psychologisches Desaster. Also: Weg mit Hartz IV!
Die Pläne der FDP, Hartz IV durch ein Bürgergeld zu ersetzen, in dem alle Sozialleistungen gebündelt sind, sind allein deshalb schon klug, weil dieses Land endlich mit seiner zwanghaften Fixierung auf diese Kombination aus fünf Buchstaben und römischer Zahl aufhören könnte. Seit 2005 dröhnt dieser Begriff in der Debatte wie ein Ohrwurm. Für die SPD ist er sogar ein Brandmal, das sich heftig entzündet hat und eitert.
Die Karriere dieser Chiffre ist ziemlich einmalig: Im Grunde geben die Deutschen ihren Gesetzen ja immer furchtbare Namen. Das "bürokratische Monstrum", von dem dann immer die Rede ist, kündigt sich schon bei der Taufe im Ministerium an. Die Amerikaner nennen ihre Gesetze Freedom Act. Wir nennen sie Rettungsübernahmegesetz oder Steuervergünstigungsabbaugesetz. Hey, das klingt nach Shoppen!
Von Stalin lernen
Natürlich ist ein Name nicht alles, aber er ist ein Baustein. Das haben, nehmen wir mal Sting oder Stalin, vor allem Popstars und Diktatoren begriffen. Natürlich sagt ein Name auch nichts über das Gesetz aus. Es nützt nichts, wenn es miserabel ist und gut klingt. Umgekehrt aber kann ein Name schon im Vorweg alles zunichtemachen. Und eine gute Verpackung und Verkaufe zumindest einen guten Anfang bedeuten.
Mancher wird jetzt einwenden, dass ein hübsches Etikett die großen Stümpereien, politischen Gemeinheiten und Kahlschlagreformen doch nur kaschiere und eh nichts ändere. Das würde unterstellen, dass Politiker uns dauernd Böses wollen, und da tut man den Damen und Herren in Berlin Unrecht. Der Name, das hat George Orwell schon mit seinem Neusprech in "1984" gezeigt, beeinflusst unser Denken. Er setzt sich in Köpfen fest und zugleich etwas frei.
  • Aus der FTD vom 08.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
  • 09.10.2009 13:25:40 Uhr   Magnar Hirschberger: Hartz V

    Netter Artikel, aber exakt am realen Problem vorbei: Hartz IVs schlechter Ruf hat mit schalem Inhalt zu tun, nichts mit dem Namen. Und der Begriff "Bürgergeld" würde im Volk schnell auf "Hartz V" umgetauft werden. Seid Euch da sicher. Und machen es nicht die Bürger, die LINKE benutzt den Begriff bestimmt. soviel ist gewiss.

    Die FDP sollte da noch einmal am Inhalt feilen. Schon wegen der verpassten Chancen. Würde nämlich Bürgergeld als erstes Grundeinkommen ohne Bedürftigkeitsprüfung und Anrechnung kommen - dann hätten die Liberalen einen Volltreffer gelandet. So aber ...

  • 09.10.2009 12:33:10 Uhr   Viva2: Politiker und Journalisten
  • 09.10.2009 06:48:11 Uhr   Dietmar Brach: Nur den Namen ändern
  • 08.10.2009 18:42:49 Uhr   Beate: Hut ab!
  • 08.10.2009 13:41:02 Uhr   kamma2: Hartz IV
Kommentar schreiben Pflichtfelder*





Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Wulff-Affäre: Menschen im Hotel

    Die Vorwürfe gegen Bundespräsident Wulff grenzten zuletzt ans Lächerliche, die neuen tun es nicht: Sie legen den Verdacht einer Vorteilsnahme nahe. Es könnte eng werden. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote